Freitag, 20. April 2007

Überwintern in Siracusa / Sizilien

Überwintern in Siracusa / Sizilien
Gleich den Zugvögeln wird die Langzeitseglerschar Ende des Sommers unruhig. Es gilt ein Winterlager zu suchen. Schwarmweise ziehen sie in Richtung Südtürkei, den Balearen, Kanaren oder Sizilien.
Zu Tausenden füllten Stare die Alleen von Siracusa Ende November. Hochbetrieb in den Bäumen und höchste Zeit ein kleines Segelschiff gut zu vertauen. Das Mittelmeer kann im Winter ganz deftig schäumen. Windstärken 9 bis 11 sind keine Seltenheit und sie können tagelang toben und sehr hohe Wellen aufbauen.

Die Südöstliche Ecke der grössten Insel im Mittelmeer wurde schon im antiken Griechenland geschätzt. Das sanfte Gebiet ist sehr fruchtbar, verfügt über ergiebige Quellen und ist gesegnet mit einem ausserordentlichen Fischreichtum. Baumaterial wie Sandstein und Holz fanden / finden sich vor Ort.
Eine grosse Lagune bildet einen natürlichen Hafen in dem auch grosse Handelsflotten sicheren Schutz finden / fanden.

Es erstaunt nicht, dass Siracusa zusammen mit Athen und Karthago als eine Metropole der Antike gilt. Mit dem Aufstieg Roms drehte sich kulturell das Rad der Stadt rückwärts. Wasserleitungen, Theater, Tempel eine funktionierende Stadt waren gebaut. Anstelle des Sprechtheaters wurden nun römische Spiele gespielt und in den Tempeln der Demeter flugs Venus angebetet. Später kamen die Araber und brachten den Islam und raffinierte Gewürze. Mathematik, Medizin, Sternkunde, Musik und Philosophie wurden gelehrt und gelernt.
Die Normannen, gerufen von der Kirche räucherten Sizilien aus und vertrieben alle Ketzer. Eine schwarze Zeit für Sizilien. Der Etna bot gleichsam die passende Kulisse. Wütende Vulkan Ausbrüche und schwere Erdbeben schüttelten das gebeutelte Land.

Den Sizilianern verbleib nur, sich innerhalb der nächsten Umgebung zu organisieren. Familie, Clan, Dorf, verschworene Interessensgemeinschaften. Für uns mit Abscheu erkannt als „Mafia“, für die Einheimischen das Rezept zu Überleben und sich vor Ausbeute zu schützen.

Siracusa ist nicht gleich Sizilien. Palermo und Catania ticken anders.
Der Einfluss der alten Griechen ist hier all gegenwärtig spürbar. Es geht etwas langsamer, fröhlicher und philosophischer zu. Der Einfluss des Islam im positiven Sinne zeigt sich in Elementen der Architektur und der lokalen Kultur. Der Stadt fehlt die Ambition zum „gross werden“.

Den ganzen Winter über wird gesegelt, gerudert, Wasserpolo gespielt und natürlich gefischt. Das Leben pulsiert mit den Jahreszeiten und ist geprägt von Fruchtbarkeit und Überfluss. Demeters Land ist heute eine Hochburg der Verehrung der „Muttergottes“. Maria ist allgegenwärtig.

Versüsst haben unseren Aufenthalt die Marineros des Pontile Santa Lucia. Roberto und Carmelo brachten uns Italienisch bei und hüteten die PRESENT wie ihr Augapfel. Der junge Manager der Marina, Nino spricht sehr gut Englisch und Deutsch.

Der Fisch- und Gemüsemarkt findet täglich vormittags statt und ist eine Sinnesfreude. Einkaufen macht Freude weil alles frisch ist. Abgesehen von seltenen Ausnahmen wird ein fairer Preis verlangt. Übers Ohr gehauen? Im Gegenteil zum Teil wird man im Winter als Gast regelrecht verwöhnt.