Sonntag, 23. Dezember 2007

Ägypten




Wir weilen seit mehr als zwei Monaten in einem Biblischen Land. Maria und Joseph sind vor ungefähr 2000 Jahren mit dem kleinen Jesus hier her geflüchtet vor Herodes Buben-Killer-Horden. Damals liebeäugelten die Römer mit der schönen Königin Cleopatra, die das fruchtbare Land am Nil regierte. Die Römer waren sehr beeindruckt von den hiesigen Baukünsten und unterliessen es die Tempel zu schleifen. Vielmehr fügten sie hinzu und dies auf adaptierte Weise. Osiris und Isis wurden nicht angetastet. Der den Beiden gweihten Tempel in Assuan ist ein Meisterwerk und zeigt die Heiligkeit der Familie auf eindrücklichste Weise. Da ist Mutter, Vater, Kind.





Der Schlüssel des Lebens hat die Form eines Kreuzes mit einem Halbkreis obenauf (der Heiligenschein?).
Immer wieder fragen wir uns, wann die Hochkulturen verloren gegangen sind.
Das Ägypten, wie wir es jetzt erleben, ist so vielschichtig und so schwierig.
70 Milionen Menschen leben im Land (gemäss offiziellen Angaben, die ich heute bezweifle). Alleine in Kairo und im Nildelta sollen es ungefähr 50 Milionen sein. Wo die anderen 20 Millionen sein sollen, ist für uns ein Rätsel.

Die wichtigsten Einnahmequellen des Landes sind der Suezkanal, Erdöl, Landwirtschaft und Tourismus.
Gut hat es, wer Bauer am Nil ist (seit der Fertigstellung des Nasser-Staudammes wird’s aber auch für sie schwieriger). Ein Schweizer Bergbauer lebt härter.
Vom Tourismus leben Wenige gut und Viele eher schlecht als recht. Der Kanal und das Erdöl nährt die Elite. Den Beduienen ist es eh wurscht, weil die Wüste so gross ist.
Schlecht geht es der Masse, welche nirgends Fuss fassen kann. Kleine Händler, die einen festen Laden betreiben, haben in der Auslage ein Angebot, welche jeden Laden vor der Peristrojka in Russland füllig erscheinen lässt. Die fahrenden Kaufleute sind mit Eselskarren unterwegs. Doch wer soll kaufen?
Hühner und Tauben auf dem Dach für die Glücklichen und das Nichts für die Unglücklichen. Wer für den Staat arbeitet, ist nicht auf der Sonnenseite sondern in der Zwickmühle. Der Lohn reicht fürs nackte Überleben. Doch immer noch besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.Nun, wo sollen wir uns einordnen? Wir sind Beobachter und versuchen höfliche und zurückhaltende Gäste im Land zu sein. Meist gelingt das recht gut. Doch als Segler passen wir nicht ins Schema. Souvenierartikel, Teppiche und Schmuck interessieren uns nicht. Wir kaufen Früchte, Gemüse, Wasser und Reis ein.


Heute ist es mir passiert, dass der Gemüsehändler auf meine Frage nach den Preisen 30 Pfund (6 CHF) für ein Kilo Zwiebeln wollte, auf weitere Nachfrage wollte er für ein Kilo Orangen 20 (4 CHF) Pfund, dann für ein Kilo Karotten 10 Pfund und dann für eine Kilo Limonen 5 Pfund, also einen Franken. Nach so langer Zeit im Land weiss ich, dass ein Kilo Zwiebeln normalerweise 25 Piaster kostet. Da wir mit der Rally sehr gemächlich reisen, ist meine Erfahrung, dass der gleiche Gemüsehändler mir, wenn ich morgen wieder auf den Markt gehe, das Kilo Zwiebel zu fünzig Piastern anbieten wird. Und der Gemüsehändler weiss, dass ich morgen bei ihm einkaufen werde
Irgendwann wird’s auch dem geduligen Reisenden zu viel. Blaue Augen sind = Geld und Sex. Irgenwann hab ich einem Ali echt ins Gesicht geschrien, dass er einfach seine Augen von mir lassen soll. Meine Nase war gestrichen voll. Ali hat dann sehr beleidigt reagiert. Worauf ich ihm sagte, dass es mich sehr glücklich mache, ihn zu beleidigen. Ich fühle mich fast jeden Tag mindestens einmal Mal beleidigt von Typen wie ihm.

Was wollen wir sagen über Ägypten, wie wir es sehen und erleben.

Es ist ein Land der Märchen und der Tränen. Ein Konzept scheint es nicht zu geben. Der Islam wirkt hier auf gewisse Kreise, wie Opium.
Die Stimmen von den Minaretten kommen alle via Lautsprecher. Das Gebet ist ist verzerrrt und unverständlich.

Freude macht der Anblick der Schulkinder. Auch die Mädchen grüssen fröhlich und lassen sich noch so gerne auf ihre Englischkenntnisse testen. Zwei etwa 10jährige haben mir ihr Schulbuch gezeigt und ich war echt beeindruckt, wie flink sie lesen. Immerhin müssen sie ein anderes Alfabeth lernen.

Unsere Art zu Reisen erlaubt es auch immer wieder ein „time out“ zu nehmen. Wir ankern hinter einem Riff und sind „maus-bein-allein“. Das Schiff bietet Komfort, Ruhe und Sicherheit.
Weit weg von der „Zivilisation“ begegnen wir der Natur. Diese bietet uns einen grossen Horizon, manchmal Wind und Wellen, die herrlichen, bunten Riffe mit ihren Gefahren, aber in ihr finden wir uns wieder.




Mittwoch, 5. Dezember 2007

Suezkanal, nicht ganz einfach

Stress


Dyonisus noch ohne Schaden. Später auf eine Boje gelaufen.


Bash wenige Tage vor seinem Tod

Suez Kanal

Die Passage ist für ein Segelboot kein Honigschlecken. Der Kanal ist gebaut für die grossen Schiffe. Für die kleinen fehlen die Infrastruktur und das Interesse. Zuwenig Geld liegt drin, also steht man als Segler ganz hinten an.
Die Strecke ist mehr als 150 Kilometer lang. Die Handelsschiffe fahren am Morgen von Süd nach Nord und am Nachmittag von Nord nach Süd. Der Kanal ist zu schmal um darin zu kreuzen. Aber in der Mitte ist er frei von jedem Unbill. Nur wir Kleinen, wir müssen an den Rand und dort hockt der Unbill und zeigt seinen verschiedenen Gesichter. Alte Seezeichen und ausgediente Bojen, Untiefen, Bauschutt im Wasser, Treibgut, Fischerboote, schwimmende Kinder, überall am Ufer gelangweilte Soldaten mit ihren Gewehren und auf der anderen Seite die riesigen Tanker und Containerschiffe. Alle paar Minuten kommen die gigantischen Bugwellen und schütteln die Kleinen durch. Ups,- auf der Geisterbahn an der Herbstmesse geht der Adrenalin Spiegle weniger hoch. Und die Geisterbahn dauert vielleicht 10 Minuten. Für die Passage durch den Suezkanal braucht ein Segelboot 18 Stunden.

Eine erste Gruppe mit sechs Rally-Booten fuhr um 06.00 los. Sie kamen in faustdicken Nebel. Sichtweite 15 Meter. Der Lotse auf dem ersten Boot verlangte eine Fahrtgeschwindigkeit von 6 Knoten (10 km/H). Der Skipper weigerte sich. Die Kanalbehörde reagierte mit einer bösen Strafaktion und verweigerte der ganzen Gruppe die Zufahrt nach Isamailia, welches Schutz und Pause bieten würde und zwang sie, die ganzen 150 Kilometer ohne Stopp zu machen. Ein Boot wurde vom Lotsen auf eine ausrangierte und unbeleuchtete Boje geführt und erlitt beträchtlichen Schaden am Schiffsrumpf. Die Kanalbehörde wies jede Schuld von sich: verantwortlich ist der Skipper!

In der zweiten Gruppe starteten wir nicht wie geplant um 10.00 sondern zwei Stunden später um 12 Uhr. Wir wussten nichts vom Schicksal unserer Kameraden in der ersten Gruppe, weil die Lotsen an Bord die Funkanlagen zu 100% beanspruchten und somit die Kommunikation unterbanden. Frohgemut tuckerten wir los. Unser Lotse war ein kugelbäuchiger, bärtiger Frömmler. Demonstrativ legte der Koran neben das Steuer.
Rolf und ich hatten schon vorher abgesprochen, dass ich jeden Befehl von Rolf annehme und „meine Schnauze“ halten werde (Riiiiiiiesenopfer).
Auf ging die fröhliche Fahrt mit einem Anker-auf-Manöver, welches wir hinlegten, genauso wie wir das immer tun. Rolf steht beim Anker vorne und zeigt mir an, wie ich zu fahren habe. Das geht ohne Worte. Der Lots war sprachlos und getraute sich nicht, mir ins Steure zu langen. Wir fuhren langsam in den Kanal und Rolf klarierte das Schiff. Erst als wir sicher in der Fahrrinne waren, kam er ins Cockpit und nickte dem Lotsen freundlich zu. Der war immer noch sprachlos.

Ich verkrümelte mich in die Küche. Na, dachte ich mir, des Lotsen Bauch ist rund.
Ich drückte ihm eine neue, verschlossene Flasche Trinkwasser in die Hand und sagte:“ das ist ihre Flasche. Wünschen sie eine Glas?“
Eine halbe Stunde später servierte ich eine perfekt reife Mango hübsch angerichtet. Er konnte nicht widerstehen. Dann folgten ein Thonsalat im Pitthabrot und darauf Schokoladenkuchen mit Kaffee und dann getrocknete Aprikosen und Mandeln mit Thé. Rundbauch war und blieb bei Laune.
Er vergass den Koran (wir mussten ihm das Buch zum Schluss nachtragen, er hatte es an Bord vergessen).
Irgendwann fragte er, ob wir nicht schneller fahren könnten. Rolf sagte ja. Und ich stöhnte: dann wird der Motor wieder heiss. Der Lotse schaute mich mit entsetzen Augen an. Ich tauchte wieder ab in die Küche. Rolf drosselte den Motor und wir tuckerten in angenehmer Geschwindigkeit durch den Kanal.
Der Nachmittag verflog und die Sonne verschwand hinter den Bergen der Libyschen Wüste. Die Lichter von Ismailia tauchten auf und dann ging unser Lotse an den Funk und brüllte irgendetwas. Mit einem zufriedenen Lächeln kam er zurück und zeigte mir die Fotos seiner süssen Babys. Auf seine Frage nach unseren Kindern, machte Rolf den kapitalen Fehler, dass er locker hinwarf: wir habe keine Kinder. Unser Lotse (Abbas) versank in Trauer und Lethargie. In der Einfahrt nach Ismailia überliess er mir willig und kampflos das Steuer. Zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit hatten wir die erste Hälft des Kanals geschafft und lagen sicher und gut geschützt in der gepflegten und grosszügigen Marina. Wir staunten, dass kein anders Boot der Rally da lag.
Kurz darauf folgten aber die andern fünf Boote unserer Gruppe und wir waren schon etwas erleichtert.
Erst später vernahmen wir, dass auch wir von der Kanalbehörde durch die Nacht hätten gepeitscht werden sollen. Aber unser guter Abbas berichtete der Behörde, dass PRESENT einen leicht erhitzbaren Motor habe und das eine Weiterfahrt nicht zu verantworten sei!!!!

Wir genossen zwei herrliche Tage im gepflegten Isamailia (Präsident Mubarak hat hier seine Villa) und genossen die Einkaufsmöglichkeiten. Die dritte Sechsergruppe Rally-Boote erreichten uns am nächsten Abend. Wir organisierten ein gemeinsames Abendessen in Form eines gehobenen „Fresshöcks“ wie in den alten Pfadi Zeiten. Jeder brachte sein Abendessen und stellte es aufs Buffet. Es war eine ausgelassene Völlerei.

Und dann, ich wollte eben ins Bett, rief mich der Skipper der „Alondra of London“ wegen eines Medizinischen Problems. Der alte Boxer Hund Bash sei nicht fit. Ich ging rüber und fand den alten Bash im Sterben. Die Crew der Alondra und der Hund waren sehr gestresst. Also setzte ich mich hin, nahm den alten Hund in die Arme und begann ihm ein kleines Kinderlied in das alte Ohr zu singen. Der Crew sagte ich, dass Bash jetzt eigentlich gerne sterben möchte und dass er das auch dürfe. Bash ist nach zwei Stunden sehr, sehr friedlich auf meinem Schoss eingeschlafen und ist direkt in den Hundehimmel geflogen. Dort wo jeder Baum duftet, wo Kaninchen sich freiwillig jagen lässt und Rottweiler sich benehmen wie Schafe. Dort wo immer jemand einen Stecken wirft und Ball gespielt wird den ganzen Tag lang.Bash ist in Ismailia begraben worden. Er hatte ein tolles und spezielles Hundeleben.

Doch Segel heisst, weiter gehen. Für den zweiten Teil des Kanals hatten wir einen pensionierten Lotsen an Bord. Der alte Knacker wurde aus seinem Ruhestand gerufen, weil die Kanalbehörde schlicht nicht genügend Männer zur Verfügung hatte.
Said hat keinen Bauch…..? und nur noch etwa drei Zähne (auch keinen Bart und keinen Koran).
Mir scharfen Augen verfolgte er unser Ablegemanöver (Frau am Steuer).
Die Wasserflasche lehnte er ab. Eine Dose Coca Cola war da viel willkommener.
Ich legte ihm Malboro-Zigaretten hin und damit war Said unser Mann.
Rolf berichtete ihm von unseren fünf Söhnen….. Und Said war den ganzen Tag über glücklich. Er erzählte von Krieg und Frieden von der Arbeit auf dem Kanal und von seinen beiden Söhnen. Er übersprudelte und sagte immer wieder: this is a holly day. I just love to be on the Canal and I love to be with you.
Wieder wurde es sehr dunkel bis wir Port Suez erreichten. Said übergab mir lachend das Steuer und wir legten an, an zwei Bojen. Said war echt begeistert und klopfte sich die Knie, als das nächste Schiff mehr als drei Mal soviel Zeit brauchte für das gleiche Manöver. Als er von Bord ging drückte ich ihm einen Sack voller Süssigkeiten und Cola in die Hand. Und er küsste mich respektvoll, gab mir einen liebevollen Drucker und er bedankte sich für den wunderschönen Tag mit uns.

Die 90 Meilen durch den Suezkanal waren anspruchsvoll. Weil sie verlangen eine permanente Präsenz. Bei schlechter Sicht wird die Passage zum Abenteuer. Leider hat auch ein zweites Boot Schaden erlitten. In diesem Falle aber stand der Lotse zu seinem Fehler und er wurde von der Crew total in Schutz genommen. Und das erstaunt uns nicht. Auch sehr routinierte Lotsen können nicht alles sehen und der Kanal ist stetiger Veränderung unterworfen. 18 Stunden Aufmerksamkeit sind eine lange Zeit und eine Priese Pech oder eine Portion Nachlässigkeit können schnell ihren Tribut fordern.

Ankunft in Ägypten, Port Said

gut parkiert


lebendiges Strassenbild


Wir sind offiziell ausgerüstet mit einer Niederlassungsbewilligung in Ägypten. Bei keinem Amt mussten wir persönlich vorbei und die entsprechenden Stempel erhielten wir innert Tagesfrist. Pro Monat bezahlen fix 80 US Dollar Steuern pro Person. Somit sind wir überdurchschnittlich gute Steuerzahler hier im Land.
Gemäss Plan sind wir gute drei Monat hier, aber wer weiss… für die Passage durch den Kanal bezahlen wir 350 US Dollars. Damit kommen wir gnädig weg. Der Vermesser fand mich alleine an Bord und war zu höflich, mich, resp. das Schiff mit dem Messband zu belästigen.

In Port Said liegen die 18 Vasco da Gama Boote in einem gut bewachten, geschlossenen Areal. Jedes Mal wenn wir das Gelände verlassen, müssen wir unsere Pässe zeigen und dann folgt uns ein Bodyguard. Ausser wir schütteln ihn ab. Das geht ganz einfach. Man sagt dem Bodyguard, dass man vor hat mindestens drei bis vier Kilometer zu Fuss durch die Stadt zu gehen. Das ist dem Bodyguard aber zu weit. Und dann übersieht er dich, wenn du zum Tor raus schlüpfst.
Die Situation ist schizophren. Doch der Staat hat schlicht Panik vor schlechten Schlagzeilen, was den Tourismus und Westliche Ausländer betrifft. Fakt ist, dass der politische Islam hier im Land wenig Verständnis in der breiten Öffentlichkeit findet. Doch die 5% Fanatiker bieten eine gute Plattform für viele Arbeitplätze im Sicherheitsbereich.

In der Stadt geht es stressfrei zu und her. Ganz entspannt konnten wir heute zuschauen, wie ein Hammel auf der Strasse gehäutet und ausgenommen wurde. Im Kaffeehaus neben an sassen viele Männer und einige quitsch lebendige Schafe einträchtig beisammen. Vor dem Kaffeehaus waren Autos parkiert, darunter ein echt schicker BMW und dazwischen, ganz selbstverständlich stand ein Esel mitsamt Karren. Ja wo sollte er denn sonst stehen, wenn nicht in einer Parklücke.

Farbenfroh präsentiert sich die aktuelle Damenmode. Die jungen Frauen tragen knallenge Jeans ein langärmliges Leibchen (auch knalleng) und drüber Minikleider. Die Kopftücher sind kunstvoll geknotet und farblich abgestimmt. Das Make Up betont die Augen und hellt die Haut auf (Weiss ist schick). Wenige tragen die schwarze Burka und wenn, dann in bester Seidenqualität mit kunstvollen Stickereien. Viviana und ich haben festgestellt, dass die Kostüme am Karneval von Venedig durchaus bestehen könnten.

Unser erster Ausflug in die Stadt war sehr zweckbestimmt.
Es galt lokale Währung aufzutreiben und Telefonkarten.
Während Viviana sich mit einem Vodafone-Karten-Händler stritt, stellte ich mich diskret in den Hintergrund und studierte das Angebot rund um mich rum. Da blieb mein Blick auf einem Kühlschrank hängen, in welchem ein Dutzend Flaschen Bier standen. Neugierig guckte ich näher hin und sah: eine Beiz.
Ich fragte den Beizer: ist das Bier? Er nickte. Ich fragte flüsternd: Richtiges Bier mit Alkohol? Lautstark begann er den tollen Alkoholgehalt des Biers zu preisen: Psssst flüsterte ich. Der Beizer fand mich umwerfend lustig. Ok. Viviana, welche fertig gestritten hatte, war etwas ausgelaugt und so setzten wir uns in die Beiz und bestellten ein Bier. Wir fanden das Getränk durchaus angenehm kühl, es stieg uns pronto in den Kopf. Der Preis für eine Flasche anständiges Bier: 9 Ägyptische Pfund das entspricht zwei Schweizer Franken.

Der beste Soldat auf der Erde???


Ein Besuch im Kanal- und Militärmuseum war äusserst lehrreich. Farbenfroh und detailgetreu sind alle gewonnen Schlachten der Ägyptischen Armee dargestellt. Verloren hat der beste Soldat der Welt noch nie einen Krieg. Ausgestellt sind zwei Israelische Panzer und Fragmente eines Flugzeuges. Auch die Britischen Armee und selbstverständlich die Römer hatten keine Chance.Wir kamen uns vor, wie in einem Comic Heft

Schafe in der Beiz


Grosse Beute.

Port Said ist eine lebendige Stadt. Die Französische Kolonial Architektur beherrscht die Innenstadt. Auffallend ist, dass viele Kirchen ihren Platz hier nicht verloren haben.
Die Koptische Kirche ist sehr lebendig. Katholische, Anglikanische und Orthodoxe scheinen auch zu funktionieren. Ganz anders das Italienische Generalkonsulat. Die Fahne ist gehieft, aber das Gebäude verlassen (vermutlich sitzt der Generalskonsul lieber am roten Meer).

Gastfreundliches Zypern

Fantastischer Start. Alondra auf der Startlinie


Zypern aus einer neuen Optik

Die 18 Vasco da Gama Rally Boote haben Larnaca in Zypern sicher erreicht. Abgesehen von einigen beschädigten Segeln und einem Motorendefekt.
Die Überfahrt von Mersin im Südosten der Türkei war recht temperamentvoll. Der Wetterbericht war gut und wir alle rechneten mit wenig Wind. Doch mit den Wetterprognosen ist das ungefähr wie mit Expertentipps für die Börse.
Die Realität auf dem Meer war nicht kompatible mit der Vorhersage. Ein bissiger Wind und Wellen bis zu drei Meter hoch, schüttelten die kleinen Boote tüchtig durch. Unsere PRESENT liess sich von einem doppelt gerefften Vorsegel durch die Wellen ziehen und zeigt keine Schwäche. Dennoch war es eine Nacht, in der unsere Schwimmwesten und die Sicherheitsleinen angenehm zu tragen waren.
Kurz nach dem Sonnenaufgang kam Cap Greco in Sicht und endlich im Schutz der Insel vermochten die Wellen nicht mehr anzulaufen. Mit einem herrlichen Wind von querab erreichten wir die geschützte Marina in Larnaca.

Vor zehn Jahren hatten Rolf und ich einmal einen zweiwöchigen Urlaub auf Zypern verbracht und die Erinnerung daran ist eher durchzogen. Das Hotel wurde von der Pampers-Mafia beherrscht. Ca 30 Kleinkinder führten das Zepter über den Speisesaal und den Swimmingpool. Ein Nuggi (Schnuller) in meinem Weinglas am ersten Abend war nur der Auftakt zu weit Üblerem.
In den Seglerkreisen erfreut sich Zypern nicht über einen guten Ruf. Wenig bis keine freien Plätze in den wenigen Marinas, träge und mühsame Behörden, faule Einheimische und dazu soll alles sau teuer sein.

Nun, wir haben die Insel von ihrer schönsten und liebeswürdigsten Seite kennen gelernt. Das Wetter liess nichts zu wünschen übrig. Zwei tolle geführte Ausflüge in und um Larnaca brachten uns die Kultur, Geschichte und das aktuelle Leben hier näher. Unter der Teilung der Insel leiden alle Zyprioten (orthodoxe und muslimische).
Hier in Larnaca ist die Moschee in Betrieb und das ist doch ein echter Hoffnungsschimmer. Lustig und sehr ausgelassen ging es zu und her auf einer Internationalen Freundschafts-Seglerregatta. Rolf und ich sind auf der „Alondra of London“ als Crew mitgesegelt. Da wir keine Ahnung haben von den Regattaregeln war das gut so. Der Skipper legte einen fantastischen Start hin, aber mit den leichten Winden hatten wir auf dem schweren, alten Holzschiff keine Chance gegen die leichten Kleinen.
Die Preisverleihung war ein begeistertes Zusammenkommen mit den hiesigen Seglern.
Einkaufen war ein grosses Thema. Wein, Bier, Schinken und Geräuchertes musste an Bord. Brillen und Hosen, langärmlige Klamotten für die kalten Nächte in Ägypten.

Der Stadtpräsident, das Kulturministerium und der Yachtklub veranstalteten Anlässe zu unserem Vergnügen. Rund herum verwöhnt, die Boote wieder geputzt und frisch aufgefüllt, liegt vor uns die Etappe nach Port Said und dem Suezkanal.

Literaturempfehlung: The Aphrodite Plot. Autor: Michael Jansen

Montag, 15. Oktober 2007

Bilder Suedtuerkei

Die Vasco da Gamma Rally ist gestartet. Die Schiffe tragen ihre Festkleider.

Hamstern und Bunkern. Viviana und Giorgio mit Barilla-Pasta.


Rolfs Beute. Diese schönen Bonitos ergaben ein Festessen.


Ende Ramadan in Mersin. Chilbi und viele fröhliche Menschen.

Sebastian zum zweiten mal auf der PRESENT. Bisch immer härzlig yiglade.


Mit Patrizia und Thomas wird es nie langweilig. Weindegustation und Geniessen.

Die unterirdische Kathedrale.


Flora im Herbst.


Neben dem Kartoffelfeld.

Gut geschützt in der "neuen Marina", die seit acht Jahren auf die Inbetriebnahme wartet.


Die Lykischen Felsengräber von Myra

Die Steinsakofarge in der Kekova Reede

Blick von der Burg von Sultan Saladin über die innere Kekova





Im Sueden der Tuerkei

Türkei
Die Einreise oder über unsere Vorurteile

Wenn ich heute daran zurück denke, wie ich mich gefühlt habe, als wir das erste mal mit PRESENT den Kurs in Richtung Türkei gesetzt haben, dann erinnere ich mich.

Von der freundlichen, hellen Griechischen Insel Simy lag vor uns eine kurze Tagesreise. Wir setzten Segel. Schon bald war die Küste deutlich sichtbar. Klein Asien (Asia Minor) entfaltete sich in allen erdenklichen Grüntönen vor unseren Augen. Rolf machte die Flaggen parat und begab sich aufs Vorschiff. Die Griechische Flagge runter und dann die Gastlandflagge (in diesem Falle Türkei) und darunter die gelbe Q-Flagge hoch (Q steht für Quarantaine und bedeutet, dass man neu einreist und sich bei den Behörden melden will. Man stellt sich also freiwillig unter Quarantaine, bis man die Erlaubnis hat an Land zu gehen.)
Und genau dann passierte ein kleines Malheure. Die Aufhängung der Türkischen Flagge war schlecht genäht und die Verbindung riss.
Da wir so viel Respekt hatten vor den Türken, wagten wir es nicht, ein zu reisen ohne die korrekte Beflaggung. Auf offener See hievte ich den Kapitän hoch in die Saling. Das Schiff schaukelte und er schaukelte mit. Endlich gelang es ihm die Verbindungsleine zu greifen. Nach diesem halsbrecherischen Akt, hing zum ersten Mal die Türkische Gastlandflagge und wir konnten den Anker klar machen.

Kaum angekommen begann der Muezzin zu rufen und Rolf und ich machten uns klein. Wir hatten keine Ahnung, wie man sich benimmt in diesem Land.

Nun haben wir im Total fast ein halbes Jahr in der Türkei verbracht. Wenn ich daran zurück denke, wie wir das erste Mal eingereist sind in die Türkei, dann muss ich über mich selber lachen (oder weinen?). Heute fahren wir rein, rufen ein fröhliches „gün aydin“ (guten Morgen) und begeben uns frohen Mutes zum Hafenmeister. Dort tauschen wir Höflichkeiten aus und lassen uns informieren über das Leben im Allgemeinen und die aktuelle Politik im Lande. Der Hafenmeister schimpft über die Rückständigkeit und wir loben den Fleiss und den Fortschritt. Kurz es ist eine längere und es ist eine durchaus erfreuliche Geschichte in der Türkei ein zu klarieren. Die Q-Fagge vergessen wir nun jedes Mal. Wir haben gelernt, dass die unsere Gastgeber nur stresst.



Türkinnen

Vor der ersten Einreise hatte ich mir ein Kopftuch besorgt und mich mit Literatur „Frau und Islam“ beschäftigt. Nach all dem was ich da gelesen hatte, war ich völlig zielorientiert und mental bereit: „Gring abe u z Muul halte“. Ich hatte ich vor, mich „unsichtbar“ zu machen.

Würde ich das Kopftuch hier an der Südküste tragen, die Türkinnen würden sich kaputt lachen. Überhaupt lachen die Frauen hier gerne und ausgiebig. Sie arbeiten viel und sie arbeiten sehr hart. Aber sie tun alles mit viel Temperament und Humor. Kopftücher werden schon getragen, aber nur im praktischen Sinn. Die Frauen auf dem Lande kümmern sich eigentlich um alles. Land bestellen, kochen auf die Kinder schauen, das Haus in Ordnung halten. Da bleibt keine Zeit sich fein zu machen und die Haare zu richten. Eine bequeme weite Hose, ein leichtes Baumwollhemd und eine praktische Kopfbedeckung sind den Umständen sehr angepasst.
In der Stadt sieht der Qutfit ganz anders aus. In den klimatisierten Räumen hinter den PCs sitzen Damen, die mahrsprachig sind, gepflegt vom Scheitel bis zu Sohle. Knallenge Jeans, leichte Leibchen, hohe Schuhe und ein ausgeklügeltes und typgerechtes Make-up ist Standart.

Es ist erstaunlich mit welcher Gutmütigkeit und Geduld sie mit den Gästen/Touristen umgehen. Selbst mit den ungepfllegtesten Teutonischen Bierbäuchen, mit den hässlichsten britischen Zähnen und dem zickigsten französischen Galants verlieren sie selten den Humor. Doch es gibt Grenzen. Eine Grenzverletzung wird bestraft mit „Sorry I do NOT understand you“. Die Türkin schaut dann völlig verwirrt auf den Gast und blockt und bockt. Bierbauch, Gelbzahn und Galant können ausrufen und toben. Frau tut gar nichts mehr; und dann geht auch gar nichts mehr.

In der Mittagspause sitzt sie mit ihren Kolleginnen unter einem Baum und erzählt ohne die pikanten Details auszulassen. Das tönt dann ungefähr so:“ Bierbauch hat ein aufgedunsenes Gesicht mit geplatzten Äderchen an der Nase. Sein Hemd ist billige Scheisse und passt perfekt zu ihm. Ich habe zugesagt dass ich ihm einen anderen Platz für seine Schiff gebe (eine Bavaria), was ich auch tun werde“. Die Augen der Zuhörerinnen blitzen und sie kichern:“ einen neuen Platz gibst du ihm… sicher auf Steg B ganz hinten?“. „ Steg B ganz hinten ist doch perfekt. Bis zum Klo läuft er 500 Meter und bis zu mir im Office 700 Meter. Den bin ich los“. Kicher. Dann wird mit Wonne über die Deutschen Mannen hergezogen.
Nun kommt Gelbzahn an die Reihe. Ganz „British“ hat er die Qualität des „Weatherforcast“ (Wettervorhersage) reklamiert. „Your weatherforecast was not correct“.
Die jungen Frauen verstehen, dass der Engländer ertzürnt ist. Aber was können sie am Wetter ändern?

Der Französische Galant kommt nun auch noch an die Reihe. Sein Sorge gilt seinem Pekinesen „Foufou“ der von den aggressiven Hafenkatzen in Angst und Schrecken versetz wird. Unsere Freundinnen befinden, dass Foufou ein nettes Hundchen ist, aber leicht neurotisch, Sobald Frauchen von Bord ist, ziehen da Katzen ein (Zweibeinige). Herrchen kümmert sich nur um die Katzen. Das Hundchen wird auf den Steg gestellt und sich selber überlassen. Es pinkelt dann am liebsten auf die Teppiche, welche vor den Superyachten ausgerollt sind. Oder er nagt an den teuren Segelschuhen (Marke Musto oder Helly Hansen), die auf dem Teppich fein säuberlich am Rande aufgereiht sind.

In der Zwischenzeit haben sich die Hafenkatzen zu dem Frauen gesellt und werden liebevoll gekost.“ Na alter Einäuger, hast den Foufou ein wenig bewegt. Gut gemacht Lieber, das Hundchen braucht ab und zu etwas zum Spielen“.
Dann wird weiter gekichert und gelacht. Und selbstvertändlich werden auch die Hakans, Alis und Mehmets drangenommen. Doch bald ist die Pause vorbei und die Frauen gehen wieder arbeiten. In die Wäscherei, ins Klo, in den Laden, ins Office. Wer höflich und fröhlich ist, bekommt alles und sonst ein: sorry I do NOT understand you“.


Eva allein im Hammam

Irgendwann haben die Frauen gerufen, Hey Eva, setz dich zu uns. Scheu und ein wenig stolz über die Einladung gesellte ich mich in den Kreis. Bald wurde ich gefragt über die weiteren und näheren Pläne. Über die weiteren Auskunft zu geben war nicht schwer: Wir sind unterwegs nach Indien. Über die nähren war es diffiziler. Ich gestand, dass das Boot geputzt, die Wäsche gewaschen, Der Einkauf erledigt, die Kleider geflickt und alles eigentlich fertig war und ich auch ein wenig. Darum hatte ich vor, heute in den Hamam (Türkisches Bad) zu gehen. Die jungen Türkinnen waren begeistert und klopften sich auf die Schenkel: in den Hamam, wau bist du mutig, das würden wir nie tun. Was daran mutig sein sollte, liessen sie offen.

Am nächsten Tag musste ich erzählen. Ja der Hamam ist eine tolle Idee. Zuerst wirst du in eine Finnische Sauna geschickt ?????????
Die Frauen hielten sich die Münder zu, um nicht unschicklich zu lachen.
Dann wirst du in Gummipantoffeln und im Badekleid, bewaffnet mit einem Putzlappen (sauber) in das Dampfbad geschickt. Dort im Kronsaal, der rund angelegt ist, nimmst du Platz auf einer Steinbank an der Wand und hast das ganze Schauspiel vor Augen. Eine Holländische Familie war dran. Mama lag in der Mitte des Raumes auf einer erhöhten Steinkonsole und wurde eingeseift. Ihr Gesicht war von einer grünen Schlammmaske verdeckt, aber die Augen blinzelten in Richtung Mann und Kind. Das Kind fand Mama gar nicht lustig und brüllte wie am Spiess. Das Echo war echt stark, Papa leicht gestresst. Mama wurde eingeseift von einem „Tellak“. Der Tellak ist der Bademeister, der Einseifer, der Haut-ab-schrubber der Durch-bieger und Kneter und der Abspüler. Der Tellak füllte Seife in einen Kissenanzug und blies solange rein, bis sich eine grosse Schaumwolke entwickelte. Diese drapierte der Tellak gekonnt auf der Holländischen Mamma. Und nun begann er ernsthaft zu schrubben. Ich schwitze leicht. Der Tellak hatte einen runden Bauch und sehr viel schwarze Haare dran. Er trug die gleichen Pantoffeln wie ich.
Dann kam Papa dran und zum Schluss das Kind. Es erholte sich nicht vom Schrecken und genoss ausser dem Echo nichts vom Hamam.

Nun waren der Tellak und ich alleine. Die Mittelkonsole war noch überschäumt. Argwöhnisch liess ich meine Augen zwischen dem Mann und dem Stein hin und her schweifen. Er begriff, dass ich nicht gerade begeistert war und schaute mir zu, wie ich den Stein selber mit viel Wasser sauber machte. (an dieser Stelle meiner Geschichte kugelten sich die jungen Türkinnen vor Lachen). Aha, der Tellak zeigte seine Zähne, sein haariger Bauch begann zu wabbeln. Doch offensichtlich hatte er verstanden, was ich wollte, denn lachend schmiss er nun ein paar weiter Kübel Wasser über seine Arbeitsfläche. Mit einem ergeben Seufzer liess ich mich nieder.
Zuerst wurde mir mit dem Putzlappen die Haut gerubbelt. Ah, sagte der Hammami, du rubbelst gut, schau mal was da runter kommt. Dunkelbraune Hautröllchen fanden ihren Weg von meinem Körper auf den Lappen des Tellak. Ich wusste nicht, sollte ich mich schämen oder stolz sein, dass ich „gut rubble“. Dann schmiss er eine halbe Tonne Seife auf mich und begann mich gründlich einzuseifen. Er drückte an meinen Füssen rum (die haben eine dicke Hornhaut) und begab sich danach an die Beine. War ja alles OK. Ich versuchte mich zu entspannen und plötzlich spürte ich das sanfte Tropfen. Das Tropfen stammte vom Tellak. Er mühte sich mit mir ab und schwitzte. Das war endgültig zu viel. Teschekür ederem und byby (Danke und Tschüss) hauchte ich und rauschte ab in Richtung Dusche. „Güle güle git“ (lachend gehe) rief der Tellak.
Meine türkischen Freundinnen hielten sich die Bäuche und lachten Tränen.
Merke, Türkinnen würden NIE in einen Hamam gehen, der nicht ausschliesslich Frauen vorbehalten ist und von Frauen betreut wird. Und heute bevorzugen sie eine Dusche im eigenen Badezimmer. Für einen guten Hamam für Frauen muss Frau in der Türkei heute weit gehen.


Literaturempfehlung: Gebrauchsanweisung Türkei
Von Iris Alanyali, Piper Verlag

Dienstag, 4. September 2007

Wie ich das Dingi doch noch lieben lernte

Unser Beiboot hat Rolf erstanden. Es erfüllt alle meine Wünsche und Anforderungen an ein Dingi in KEINER WEISE. Ich wollte ein Dingi das:
1. Man alleine rudern kann (vergiss es mit unserer Gummigurke)
2. Der Motor leicht einsetzbar ist (vergiss es, das Gerät wiegt 36 Kilos) und auf Knopfdruck zu starten (vergiss es, du reisst an einem Riemen wie halb blöde, bis er vielleicht anspringt)
3. Gut weg zu räumen (vergiss es, das ist ein halber Tag Arbeit)
Fakt ist, ich kann das Beiboot nicht benutzen und Rolf hat sich dazu verdammt mein Chauffeur zu sein. Ich habe das Ding / Dingi nur schön gefunden, weil es Rolf so viel Freude bereitet. Für mich war das Dingi ein „Ding, welches ich weitgehend ignorierte“.


Rolf mit Dingi
Aber dann, nach mehr als zwei Jahren Leben und Segeln mit dem Ding, habe ich eine tiefe Liebe dazu entdeckt.
für än tüüüfe guete Schlaaf, Zodiak

Wo ist es schöner zu schlafen als unter dem freiem Sternenhimmel. Unser Dingi ist, wenn wegen der Hitze eh Luft raus muss, eine weiche Wiege. Wenn die Tage drückend heiss sind, dann lockt kurz nach Sonnenuntergang das delux Bett. War ja auch nicht ganz billig. Und es ist im Komfort, Preis und in der Funktion vergleichbar mit einem Calmas Bett von Lattoflex.
Jetzt bin ich froh, dass unser Dingi breit ist, einen aufblasbaren Boden hat (so einen harten Kiel im Hintern wäre keine Musik) und von Rolf alleine gepflegt wird.

Sorry, der Text ist kurz,- ich will ins Bett oder genauer aufs Dingi. Gute Nacht






Die Rasur

Der Kapitän hat noch nie in seinem Leben jemanden
an seinen Bart gelassen. Das Rasieren erledigt er mit
wenig Begeisterung - meist regelmässig - selber.
Doch dann war da Mehmet mit seinem
Barber-Shop direkt am Strand.














Der letzte Fremd-Rasur-Muffel wird hier weich
und ergibt sich.














Mehmet seift gründlich ein.














Dann wird geschabt. Und noch einmal eingeseift
und neuerlich geschabt. Nun folgt die Feinarbeit.
Die Haare an den Ohren werden weggebrannt
und selbst jene in der Nase müssen weichen














Mit einer sanften Massage vollendet Mehmet sein
Werk.














Was will Mann mehr.
Zu finden ist Mehmet auf 36°41 Minuten Nord
und 028°52Minuten Ost.

Soviel Heiligkeit in einer Familie

Heilige Ursula















Heiliger Antonio















Heilige Rosalia
















Super heiliger Rolf mit Heiligenschein
















Nur Eva wird nie heilig gesprochen
:-) Hier wandert sie in Schwefelschwaden

Sonntag, 5. August 2007

Krank an Bord

Krank an Bord

Fieber, Frösteln, Kopfweh und alle Gelenke schmerzen. Die Laune ist im Eimer. Nur noch Bett und Ruhe.
Wenn’s dem Kapitän passiert, dann ist das eine mittlere Katastrophe,- zu Beginn und dann ist es eine Pause.
Und nun hat es den Chef erwischt. Er erwacht und da ist sie,- die Erkältung. Besorgt versucht die Crew / Ehefrau eine Bestandesaufnahme zu machen.
1. er hat sehr schlechte Laune
2. er spricht kaum und wenn, dann ist das Hüsteln oder Bellen
3. er schielt aufs Bett
4. er will keinen Kaffe (Alarmstufe rot)

Die Crew verkrümelt sich und ganz nach dem Motto, ist die Katze aus dem Haus, dann tanzen die Mäuse, wird ein disziplinloses Leben zelebriert.

Die Ehefrau hingegen hängt sich ihre vergilbte Schwesternhaube an den Kopf und sucht die verstaubte Bordapotheke. Ein Fieberthermometer wird schnell Klarheit bringen und auch ein Blutdruckapparat ist bei Hand. Fieber 38° (ernst, aber nicht hoffnungslos), Blutdruck 120 / 80 (wau, der Kerl ist noch voll dabei) und ein Puls von 100 (er ist erregt).

Die analytische Auswertung unter Berücksichtigung der Stinklaune des Käptens lassen zum Schluss kommen: er ist erkältet.

Natürlich wird diese Annahme in leicht dramatisierter Form dem Patienten verhökert. Zum Beispiel so:
Also lieber Patient, Ehemann und Kapitän, du bist 57 Jahre alt (alt), hast keinen Fusspilz (mehr), hast noch Haare auf dem Kopf (noch) und blaue Augen. Wie viel wiegst du? 74 Kilo (das ist gelogen), wann warst du das letzte mal krank? Ich war noch nie krank (hat der Alzheimer? Er war doch vor ungefähr 22 Jahren auch mal krank).
Rauchst du? Nein (stimmt, war aber nur eine Kontrollfrage. Somit ist Alzheimer ausgeschlossen). Trinkst Du? Ich versuche meiner Frau zu gehorchen, welche will ,dass ich jeden Tag mindesten zwei Liter trinke, aber das schaff ich nicht immer. (harrrrr,--).
Bist Du in den letzten drei Monaten fremdgegangen? Weib!!!!! Das geht zu weit!!!!!
Ok, Ok, war ja nur ein Scherzlein.

Der Patient verdreht seine Augen und sieht mittlerweilen jämmerlich aus der Wäsche.
Ich habe in weich geklopft. Nun kann ich ihm einen heissen Kräutertee einflössen und ein Paracetamol runter jubeln. Er kooperiert ( äh,- resigniert.)
24 Stunden später ist er wieder dabei, noch etwas miesepetrig, aber fieberfrei und über dem Berg.
Aber, da liegt nun die Crew / Ehefrau flach. Eine schlechte Laune kommt nicht auf. Die Launen sind abbestellt. Kopfschmerzen werden ins Land der Märchen verbannt und das ganze Getue rund ums Krank sein ist eh „blöd und mühsam“. Segel auf und weiter geht’s. Meinen Kräutertee hab ich dann irgendwann noch unberührt im Beutel über Bord geschmissen. Hab’s überlebt.

Der alte Mann und das Meer

Der alte Mann und das Meer

In seinem verrosteten, alten Fiat fährt er in den Hafen und parkiert direkt am Kai. Er lässt den Motor laufen und steigt langsam aus. Das Alter beutelt ihn körperlich, aber sein Stolz ist intakt. Er zündet sich eine Zigarette an und lüpft sein Käppi. Die frühe Morgensonne beleuchtet schon warm sein zerfurchtes Gesicht.
Am Steg liegt ein kleines Fischerboot. Es hat die besten Jahre längst hinter sich. Das Holz ist morsch und die Farbe blättert ab. Vertäut ist der Kahn längsseits. Regen und Meerwasser schwappen über den Holzboden. Die Farben des Regenbogens zeigen sich darin. Altöl und Dieselresten tanzen im Salz- und Regenwasser.
Mit erstaunlicher Eleganz zieht der Alte sein Boot noch näher an den Steg und mit einem grossen Schritt steht er auf der Bugspitze. Die Zigarette ist fertig geraucht und fliegt glimmend ins Meer.

Er hat ein Kabel an seinem Zigarettenanzünder im Auto festgemacht, welches eine nagelneue Elektropumpe bedient. Damit pumpt er nun sein Boot leer. Im Hafen breitet sich grossflächig das Altöl und der Diesel aus. Regenbogenfarbig.
Nun sammelt er in langsamen und bedächtigen Bewegungen noch einen alter Kanister und einige verschlissene Teile eines engmaschigen Kunststoff- Fischernetztes ein und wirft sie mit einem kraftvollen Schwung ins Wasser.

Er sieht, dass wir ihm zusehen und begrüsst uns freundlich mit kali mera, oder buon giorno oder gün aiden (guten Morgen auf Griechisch, Italienisch,Türkisch)….. und wir grüssen ihn freundlich zurück. Den alten Mann.

Reflektion: Wir stellen fest, dass wir anders aber nicht unbedingt besser sind. Lernprozesse?

Wenn einer eine Reise tut

Von der Schweiz nach Sizilien. Reisen ist nicht immer einfach.


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und meist ist er selber schuld. So ist das uns geschehen.
Mit einem riiiiiiiiesen Haufen Gepäck (mehr als 60 Kilo) sind wir per Taxi los in Richtung Bahnhof Basel SBB.

Gepackt hatten wir so lebenswichtige Dinge wie „Basler Läggerli“, Schokolade, Aromat, eine geerbte Fischerrute, neue Küchentücher und eine super Taschenlampe (aus dem Coop-Superpunkte Katalog bestellt). Ein grosses Stück Plexiglas aus dem Migros Do-it-youself , das in keinen Koffer passen war, zusammen mit der Fischerrute sorgsam auf dem grössten Koffer festgezurrt. Eigentlich hätten wir hinten eine rote Warnblicklampe anbringen sollen, wegen der Überlänge. Erschwerend waren auch die Hafenhandbücher fürs rote Meer und den Indischen Ozean sowie die See-Karten. Evas kleine Bibliothek (sicher kaum mehr als ca. 23,7 Kilos leichte, aktuelle, politische, historische und kontroverse Kost / Lektüre, verpackt in einige wenige Dutzend Büchlein) verdient eine „neben bei Erwähnung“.

Aus dem kurzen Gespräch mit dem Taxi Chauffeur, einem Türken, merkten wir, upps wir sind schon mitten drin. Er hat mit seinem Bruder zusammen ein Garni Hotel in Marmaris gleich hinter der Marina. Da wir das Schiff vor der Rally durchs rote Meer eh in Marmaris warten wollen, werde ich vermutlich beim Basler Taxi Chauffeur wohnen, während PRESENT an Land steht. Und ich werde immer wissen, was der FCB getschuttet hat.

Auf dem Bahnhof nahmen wir ganz „easy“ einen Gepäckwagen und alles, sprich die ganzen 60 Kilo fanden Platz. Auf dem Perron stand ein Cisalpino. Wir fanden den Wagen und unsere reservierten Plätze, nur die waren besetzt. Ein böser Blick und viel Gemuffel, bescherten uns UNSERE Plätze Eine Familie mit drei Kindern musste nach links, damit ein älteres Ehepaar von vorne nach hinten dislozieren konnten und somit die Kanadischen Backpackers die Notsitze belegen konnten. Alles passte, nachdem wir den Wagen gründlich umorganisiert hatten

Der Zug war poppe voll. Nach dem alle unser Gepäckstücke schön versorgt waren, hätten wir uns gerne in den „Blick“ vertieft, aber irgendetwas stimmte nicht…….
Gemäss unserem Plan sollte genug Zeit sein, um im Bahnhof ein „Fresspäcklein“ zu holen. Es war 11.55 und der Zug sollte doch erst um 12 25 fahren. Warum ist der Zug jetzt schon so voll???????? Hirn?
Falscher Cisalpino, richtiges Gleis, richtiger Wagen und richtige Sitze und richtige Richtung, aber - harrrr - falscher Zug.
In zwei Minuten, sieben! Gepäckstücke aus dem falschen Zug aufs richtige Perron hieven.
Die Mitreisenden zeigen Mitleid (wer’s glaubt zahlt den Taler). Pfui Schande, unser böser Blick und das Gemuffel waren voll daneben.

Nun lief die Reise wie aus Butter. Rechtzeitig in Genua angekommen, fanden wir ein Taxi. Für die 2 Kilometer vom Bahnhof zur Fähre bezahlten wir schlappe 35 Euro!! Wir verzichteten auf jegliche Diskussion. Das ist nie klug mit 60 Kilo Gepäck. Der Himmel war grau, es nieselte und die Wolken jagten über den Himmel. Böen im Hafen. Pünktlich um 22 Uhr legte die Fähre ab und schon nach wenigen Meilen auf dem offenen Meer begann es zu schaukeln. Die Bar war schlagartig vereinsamt.

Wir schliefen tief und sehr lang. Um 16 Uhr sahen wir die Aeolischen Inseln querab und wussten, dass der Kapitän rechtzeitig in Palermo ankommen würde. Dort schnappten wir uns, nach einer präzisen PREISABSPRACHE ein Taxi zu einem Hotel in der Innenstadt.

Früh auf, weil gemäss Internet geht der Bus von Palermo nach Siracusa um 9 Uhr. Rechtzeitig waren wir bei der Bushaltestelle mit unseren sieben Gepäckstücken und der Überlänge. In der Bigllieteria lernen wir, dass der Bus nach Siracusa um 8 Uhr gefahren ist. Der nächst geht nachmittags um 16 Uhr (welch nette Aussicht 7 Stunden mit sieben Gepäckstücken, welche insgesamt mehr als 60 Kilos wiegen an einer Bushaltestelle in Palermo rumzuhängen). Wiederum verzichten wir auf Diskussionen.

Rolf macht es sich mit dem Gepäck gemütlich. Er sitzt wie eine Henne auf sieben frisch geschlüpften Kücken und rundherum hächeln ein Dutzend Füchse. Ich bekomme Ausgang. Der Himmel ist immer noch verhangen und schon beginnt es zu Tropfen. Meine Pfadiehre verbietet mir mich in die nächste Boutique zu werfen. Stattdessen finde ich einen Bus nach Catania, welcher subito losfährt. Rolf, ich und alle sieben Kücken sind vorerst im Trockenen.

Die drei Stunden im Bus nach Catania sehen wir kaum etwas. Der Regen ist so dicht und die Strassen gleichen braunen Bächen. In Catania steht der Bus nach Siracusa gleich neben an und weiter geht die flotte Fahrt. Der Chauffeur scheint frisch verliebt zu sein. Im grössten Verkehrsgewühle säuselt er seine Bacchi in sein Telefonino, verdreht in schierem Entzücken seine Augen, kann fast nicht normal sitzen, weil sein Ding so unkontrollierbar dingig ist. Der Akku ist endlich leer.
Rolf und ich sehr erleichtert. Aber zu früh gefreut, ein echter Italiener hat heute mindesten ZWEI Telefoninos auf sich. Er fährt weiter und telefoniert. Ignoriert Rotlichter, quert Sicherheitslinien, kümmert sich um sein Ding, quetscht einen Pickel am Nasenflügel aus, raucht zwischendurch eine Zigarette. Wir schwitzen Blut und Wasser. Pure Angst.
Der Bus hält. Wir wagen wieder zu Atmen. Der Chauffeur klappt sein Telefonino zu. Wir sind in Siracusa.

PRESENT. Endlich wieder daheim. Schiff gut, wir zwäg, alles paletti. Auf zu neuen Abenteuern.

Fazit: 1000 Meilen Zug, Taxi und Fähre braucht ca. 4 Adrenalinpunkte. 30 Kilometer Bus von Catania nach Siracusa ca. 9 Adrenalinpunkte. 350 Meilen Segeln brauchen ca. 2 Adrenalinpunkte.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Malta, Gozo und Comino

Malta, Gozo und Comino

Mitte März 07 haben wir unser Winterlager in Siracusa verlassen. Für die 100 Seemeilen nach Malta benötigten wir genau eine Woche. Stürmische Winde hielten uns am Capo dei Correnti fest.

Die Einfahrt unterhalb der Festungen von Valletta in den Msida Creek ist erhaben.
Dass sich Sultan Saladin und später die Nazis die Zähne am Bollwerk ausgebissen haben, ist leicht zu verstehen. Die strategische Lage der Insel im Mittelpunkt des Mittelmeers ist eminent. Hier gibt es keinen Fluss und keine Bäche und anstelle von Wäldern und Feldern; Steinhaufen. Weite Abschnitte der Küsten sind trutzig und schlecht geschützt. Wer zum Teufel will hier wohnen?

Verwöhnt von der üppigen Schönheit Siziliens kommen wir an in der wichtigsten Festung des Christlichen Abendlandes im Mittelmeer.

Erhaben und edel waren die Ideen des Johanniter Ordens, sich um die Verwundeten und Kranken Ritter der Kreuzzüge in Jerusalem zu kümmern.
Hier in Malta fanden sie nach dem Falle der heiligen Stadt und dem Falle von Rhodos einen letzten Unterschlupf. Hier liessen sie sich nieder, befestigten die Stadt und bauten ein Spital. Die pflegerischen Konzepte waren fürs späte Mittelalter vom Feinsten.

Unsere Bewunderung für die Leistungen der Johanniter wird geschmälert beim Besuch der Kathedrale von Valletta. In schlichtem Normannischen Stil erbaut erscheint sie von aussen bescheiden. Jäh ändert sich das Bild beim Eintreten. Aus dem Edelsten ist das Interieur gebaut. Die kunsthandwerklichen Verzierungen in Edlehölzern, Marmor, Halbedelsteinen, Silber und Perlmutter kleiden die Kirche aus bis zum hintersten Winkel.

Beim näheren Betrachten ist zu sehen: „Wau,- wir sind in einer Bauchnabelschau“. Die ganze Kirche ist ein riesiger Teich des Selbstlobes. Jeder Grossmeister des Johanniterordens hat zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Grabplatte von seinem uneingeschränkten Edelmut und tiefer Gläubigkeit berichtet.

Malta ist für Langzeitsegler eine interessante Destination. Rund um Valletta bieten der Grand Harbour und Msida Creek Liegeplätze für mehr als 1000 Yachten aller Längen. Die Preise sind vernünftig und die Serviceangebote vielseitig. Neben Maltesisch ist Englisch die offizielle zweite Landessprache und das erleichtert die Kommunikation erheblich. Der öffentliche Verkehr ist gut ausgebaut und günstig.

Odysseus hat es nach Gozo getrieben, wo er in den Armen der Calypso den Rest der Welt für eine ganze Weile vergiess. Gozo ist hübsch. Nette kleine Sandstrände, verträumte Buchten, attraktive kleine Städtchen und Dörfer laden zum Verweilen. Wir könnten hier leicht für einige Wochen oder Monate rumhängen.

Am Ramla Bay haben wir meinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert. Wild romantisch mit einem Feuer am einsamen Sandstrand.

Comino liegt zwischen Malta und Gozo. Die grosse Attraktion ist die „blue Laguna“, ein Ankerplatz mit glasklarem Wasser. Römische Ruinen wollen entdeckt werden. Und das „süsse Nichtstun“ scheint genau auf dieser kleinen Insel daheim zu sein.

Malta, Gozo und Comino sind immer eine Reise wert.

Der Kapitän bäckt sein erstes Brot

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber um es gleich am Anfang zu verraten, das erste Brot des Kapitäns war durchaus gut geraten. Immerhin schriebe ich diesen Text Tage nach dem Verzehr dieses Gesellenstückes.
Das Brot

Draussen tobte ein Sturm so schwer, dass ein Landgang schlicht nicht möglich war. Nachdem die Brotvorräte auf dem Schiff allesamt aufgezehrt waren und dem Kapitän das „Dame Spiel“ endgültig verleidet war, musste eine neue Aufgabe auf den Tisch.

Ich, der „Smut“ hatte dafür besorgt zu sein, dass Mehl, Hefe, Salz, Wasser in Rein und Glied parat standen. Als dann schritt der Kapitän zu Tat.

Frohen Mutes wollte er ein Kilo Mehl in die Schüssel hauen. Lediglich mein Argument, dass wir zwei das Brot nur redlich und mit Genuss selber und in einigermassen frischen Zustand verzehren könnten mit der Hilfe von einigen Dutzend Kakerlaken konnte ihn überzeugen, dass ein halbes Kilo reichlich sein würde.

Also das halbe Kilo rein und dann eine schwungvolle Kelle Salz. Er löste dann die Hefe in Wasser auf. Den kleinen Löffel schwang er im Takte zu Löfflers „sailing to Philadelphia“.
Hefe und die von Betty Bossi empfohlene Menge Wasser flutschten in die Schüssel und gleich hinterher alle zehn Finger der Kapitäns.

Das klebt

Huch, wie das klebte und klebte und klebte. Der Kapitän verlangte eine andere Musik…. Peter Rebers „Trans-Atlantik-Törn erwies sich als passend. Was für Peter 3000 Meilen Atlantik, war für Rolf der Kampf mit der Kleber-Masse. Endlich Land in Sicht. Was für Peter Reber die Karibik war für Rolf ein handfester Teig.

Der Teig
Es war Zeit für einen Wechsel der CD. Das „Phantom der Oper“ mit Florian Schneider erwies sich als dramatisch genug, das Kneten und den Teig auf den Tisch klopfen zu begleiten. Als der Teig dann ordentlich versorgt unter einem feuchten Tuch in der Kühle stand, stellten wir die Musik ab und begaben uns zu Bett.

Am nächsten Morgen weckte mich der Duft eines frisch gebacken Brotes. Himmlisch. Und draussen durfte es noch weiter stürmten.

Freitag, 20. April 2007

Überwintern in Siracusa / Sizilien

Überwintern in Siracusa / Sizilien
Gleich den Zugvögeln wird die Langzeitseglerschar Ende des Sommers unruhig. Es gilt ein Winterlager zu suchen. Schwarmweise ziehen sie in Richtung Südtürkei, den Balearen, Kanaren oder Sizilien.
Zu Tausenden füllten Stare die Alleen von Siracusa Ende November. Hochbetrieb in den Bäumen und höchste Zeit ein kleines Segelschiff gut zu vertauen. Das Mittelmeer kann im Winter ganz deftig schäumen. Windstärken 9 bis 11 sind keine Seltenheit und sie können tagelang toben und sehr hohe Wellen aufbauen.

Die Südöstliche Ecke der grössten Insel im Mittelmeer wurde schon im antiken Griechenland geschätzt. Das sanfte Gebiet ist sehr fruchtbar, verfügt über ergiebige Quellen und ist gesegnet mit einem ausserordentlichen Fischreichtum. Baumaterial wie Sandstein und Holz fanden / finden sich vor Ort.
Eine grosse Lagune bildet einen natürlichen Hafen in dem auch grosse Handelsflotten sicheren Schutz finden / fanden.

Es erstaunt nicht, dass Siracusa zusammen mit Athen und Karthago als eine Metropole der Antike gilt. Mit dem Aufstieg Roms drehte sich kulturell das Rad der Stadt rückwärts. Wasserleitungen, Theater, Tempel eine funktionierende Stadt waren gebaut. Anstelle des Sprechtheaters wurden nun römische Spiele gespielt und in den Tempeln der Demeter flugs Venus angebetet. Später kamen die Araber und brachten den Islam und raffinierte Gewürze. Mathematik, Medizin, Sternkunde, Musik und Philosophie wurden gelehrt und gelernt.
Die Normannen, gerufen von der Kirche räucherten Sizilien aus und vertrieben alle Ketzer. Eine schwarze Zeit für Sizilien. Der Etna bot gleichsam die passende Kulisse. Wütende Vulkan Ausbrüche und schwere Erdbeben schüttelten das gebeutelte Land.

Den Sizilianern verbleib nur, sich innerhalb der nächsten Umgebung zu organisieren. Familie, Clan, Dorf, verschworene Interessensgemeinschaften. Für uns mit Abscheu erkannt als „Mafia“, für die Einheimischen das Rezept zu Überleben und sich vor Ausbeute zu schützen.

Siracusa ist nicht gleich Sizilien. Palermo und Catania ticken anders.
Der Einfluss der alten Griechen ist hier all gegenwärtig spürbar. Es geht etwas langsamer, fröhlicher und philosophischer zu. Der Einfluss des Islam im positiven Sinne zeigt sich in Elementen der Architektur und der lokalen Kultur. Der Stadt fehlt die Ambition zum „gross werden“.

Den ganzen Winter über wird gesegelt, gerudert, Wasserpolo gespielt und natürlich gefischt. Das Leben pulsiert mit den Jahreszeiten und ist geprägt von Fruchtbarkeit und Überfluss. Demeters Land ist heute eine Hochburg der Verehrung der „Muttergottes“. Maria ist allgegenwärtig.

Versüsst haben unseren Aufenthalt die Marineros des Pontile Santa Lucia. Roberto und Carmelo brachten uns Italienisch bei und hüteten die PRESENT wie ihr Augapfel. Der junge Manager der Marina, Nino spricht sehr gut Englisch und Deutsch.

Der Fisch- und Gemüsemarkt findet täglich vormittags statt und ist eine Sinnesfreude. Einkaufen macht Freude weil alles frisch ist. Abgesehen von seltenen Ausnahmen wird ein fairer Preis verlangt. Übers Ohr gehauen? Im Gegenteil zum Teil wird man im Winter als Gast regelrecht verwöhnt.