Sonntag, 5. August 2007

Wenn einer eine Reise tut

Von der Schweiz nach Sizilien. Reisen ist nicht immer einfach.


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und meist ist er selber schuld. So ist das uns geschehen.
Mit einem riiiiiiiiesen Haufen Gepäck (mehr als 60 Kilo) sind wir per Taxi los in Richtung Bahnhof Basel SBB.

Gepackt hatten wir so lebenswichtige Dinge wie „Basler Läggerli“, Schokolade, Aromat, eine geerbte Fischerrute, neue Küchentücher und eine super Taschenlampe (aus dem Coop-Superpunkte Katalog bestellt). Ein grosses Stück Plexiglas aus dem Migros Do-it-youself , das in keinen Koffer passen war, zusammen mit der Fischerrute sorgsam auf dem grössten Koffer festgezurrt. Eigentlich hätten wir hinten eine rote Warnblicklampe anbringen sollen, wegen der Überlänge. Erschwerend waren auch die Hafenhandbücher fürs rote Meer und den Indischen Ozean sowie die See-Karten. Evas kleine Bibliothek (sicher kaum mehr als ca. 23,7 Kilos leichte, aktuelle, politische, historische und kontroverse Kost / Lektüre, verpackt in einige wenige Dutzend Büchlein) verdient eine „neben bei Erwähnung“.

Aus dem kurzen Gespräch mit dem Taxi Chauffeur, einem Türken, merkten wir, upps wir sind schon mitten drin. Er hat mit seinem Bruder zusammen ein Garni Hotel in Marmaris gleich hinter der Marina. Da wir das Schiff vor der Rally durchs rote Meer eh in Marmaris warten wollen, werde ich vermutlich beim Basler Taxi Chauffeur wohnen, während PRESENT an Land steht. Und ich werde immer wissen, was der FCB getschuttet hat.

Auf dem Bahnhof nahmen wir ganz „easy“ einen Gepäckwagen und alles, sprich die ganzen 60 Kilo fanden Platz. Auf dem Perron stand ein Cisalpino. Wir fanden den Wagen und unsere reservierten Plätze, nur die waren besetzt. Ein böser Blick und viel Gemuffel, bescherten uns UNSERE Plätze Eine Familie mit drei Kindern musste nach links, damit ein älteres Ehepaar von vorne nach hinten dislozieren konnten und somit die Kanadischen Backpackers die Notsitze belegen konnten. Alles passte, nachdem wir den Wagen gründlich umorganisiert hatten

Der Zug war poppe voll. Nach dem alle unser Gepäckstücke schön versorgt waren, hätten wir uns gerne in den „Blick“ vertieft, aber irgendetwas stimmte nicht…….
Gemäss unserem Plan sollte genug Zeit sein, um im Bahnhof ein „Fresspäcklein“ zu holen. Es war 11.55 und der Zug sollte doch erst um 12 25 fahren. Warum ist der Zug jetzt schon so voll???????? Hirn?
Falscher Cisalpino, richtiges Gleis, richtiger Wagen und richtige Sitze und richtige Richtung, aber - harrrr - falscher Zug.
In zwei Minuten, sieben! Gepäckstücke aus dem falschen Zug aufs richtige Perron hieven.
Die Mitreisenden zeigen Mitleid (wer’s glaubt zahlt den Taler). Pfui Schande, unser böser Blick und das Gemuffel waren voll daneben.

Nun lief die Reise wie aus Butter. Rechtzeitig in Genua angekommen, fanden wir ein Taxi. Für die 2 Kilometer vom Bahnhof zur Fähre bezahlten wir schlappe 35 Euro!! Wir verzichteten auf jegliche Diskussion. Das ist nie klug mit 60 Kilo Gepäck. Der Himmel war grau, es nieselte und die Wolken jagten über den Himmel. Böen im Hafen. Pünktlich um 22 Uhr legte die Fähre ab und schon nach wenigen Meilen auf dem offenen Meer begann es zu schaukeln. Die Bar war schlagartig vereinsamt.

Wir schliefen tief und sehr lang. Um 16 Uhr sahen wir die Aeolischen Inseln querab und wussten, dass der Kapitän rechtzeitig in Palermo ankommen würde. Dort schnappten wir uns, nach einer präzisen PREISABSPRACHE ein Taxi zu einem Hotel in der Innenstadt.

Früh auf, weil gemäss Internet geht der Bus von Palermo nach Siracusa um 9 Uhr. Rechtzeitig waren wir bei der Bushaltestelle mit unseren sieben Gepäckstücken und der Überlänge. In der Bigllieteria lernen wir, dass der Bus nach Siracusa um 8 Uhr gefahren ist. Der nächst geht nachmittags um 16 Uhr (welch nette Aussicht 7 Stunden mit sieben Gepäckstücken, welche insgesamt mehr als 60 Kilos wiegen an einer Bushaltestelle in Palermo rumzuhängen). Wiederum verzichten wir auf Diskussionen.

Rolf macht es sich mit dem Gepäck gemütlich. Er sitzt wie eine Henne auf sieben frisch geschlüpften Kücken und rundherum hächeln ein Dutzend Füchse. Ich bekomme Ausgang. Der Himmel ist immer noch verhangen und schon beginnt es zu Tropfen. Meine Pfadiehre verbietet mir mich in die nächste Boutique zu werfen. Stattdessen finde ich einen Bus nach Catania, welcher subito losfährt. Rolf, ich und alle sieben Kücken sind vorerst im Trockenen.

Die drei Stunden im Bus nach Catania sehen wir kaum etwas. Der Regen ist so dicht und die Strassen gleichen braunen Bächen. In Catania steht der Bus nach Siracusa gleich neben an und weiter geht die flotte Fahrt. Der Chauffeur scheint frisch verliebt zu sein. Im grössten Verkehrsgewühle säuselt er seine Bacchi in sein Telefonino, verdreht in schierem Entzücken seine Augen, kann fast nicht normal sitzen, weil sein Ding so unkontrollierbar dingig ist. Der Akku ist endlich leer.
Rolf und ich sehr erleichtert. Aber zu früh gefreut, ein echter Italiener hat heute mindesten ZWEI Telefoninos auf sich. Er fährt weiter und telefoniert. Ignoriert Rotlichter, quert Sicherheitslinien, kümmert sich um sein Ding, quetscht einen Pickel am Nasenflügel aus, raucht zwischendurch eine Zigarette. Wir schwitzen Blut und Wasser. Pure Angst.
Der Bus hält. Wir wagen wieder zu Atmen. Der Chauffeur klappt sein Telefonino zu. Wir sind in Siracusa.

PRESENT. Endlich wieder daheim. Schiff gut, wir zwäg, alles paletti. Auf zu neuen Abenteuern.

Fazit: 1000 Meilen Zug, Taxi und Fähre braucht ca. 4 Adrenalinpunkte. 30 Kilometer Bus von Catania nach Siracusa ca. 9 Adrenalinpunkte. 350 Meilen Segeln brauchen ca. 2 Adrenalinpunkte.

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