Freitag, 14. März 2008

Sudan















Suakin im Sudan.

Sudan ist flächenmässig das grösste Land des Afrikanischen Kontinentes. Es gehört zu den ärmsten der Welt. Das Jahreseinkommen beträgt im Durchschnitt 200 Dollar. Die Bevölkerungsdichte ist gering. Gerade mal 11 Einwohner pro Quadratkilometer.
Die Hauptstadt Karthum liegt weit weg von der Kueste und weit weg ist auch die internationale Politik. Sudan ist in den Schlagzeilen wegen der Darfour Katastrophe und einem unsäglichen Genozid. Hier in Suakin funktionierte der Sklavenmarkt bis 1947 und brachte der Stadt Reichtum und Schönheit. Heute ist der Ort ein „gottverlassenens Nest“. Bitterarm und von morbider Faszination.
Komisch, aber wir fuehlen uns hier irgendwie willkommener und sicherer als in Ägypten.

Der erste Kontakt mit den Menschen hier bescherte uns einen veritablen Kulturschock.
Nachdem wir uns mit dem Schiff vorsichtig durch die Riffe hindurch getastet hatten, warfen wir den Anker vor Mohammed Quol. Durch den Feldstecher hatten wir schon beobachtet, dass die Kueste hier besiedelt ist. Auf einem halb verrotteten Kai standen Männer und Buben in weissen Kaftanen und winkten uns aufgeregt zu.

Mit einem fröhlichen Saamam Aleikum sagten wir „Gruezi“ und darauf erhielten wir ein vielstimmiges Aleikum Saalam. Das Tor zum Dorf war offen. Aus Treibgut gezimmerte Häuser mit Zäunen aus vertrockneten Dornenbüschen, isoliert mit altem Pappkarton hingestellt in die Wüste. In den Vorgärten springen Ziegen herum, einige Dromedare hocken an Pfählen angebunden, etliche Katzen und wenige ausgemergelte Hunde lungern herum. Rundherum ist Afrikas Steppe. Nichts ist angepflanzt. Die Erde ist rot und schwer, aber unfruchtbar.

Wir bemerken, dass die Häuser nummeriert sind. Eine junge Frau winkte. Ich ging hin um zu grüssen und sah, dass sie schwanger ist. Auf ihren Bauch deutend rief ich „Mashallah“ was so viel wie „wie schön“ heisst. Darauf hin kamen zwei weitere schwangere Frauen. Zu dritt präsentierten sie stolz ihre Bäuche. Alle waren in simple, farbige Saris gehüllt. Wir tauschten Höflichkeiten aus, in Form von Lächeln. Bist Du verheiratet, lautet die Frage, nachdem man sich nach dem Namen und dem Woher erkundigt hat. Ja, seit 20 Jahren. Und warum hast Du kein Henna auf deinen Füssen und Händen? Ich erklärte, dass wir Henna in unserem Land nicht kennen. Das war ein Grund zur Aufregung. Kopfschütteln und Zunge schnalzen, erntete ich. Du kommst aus einem barbarischen Land, fanden die drei Frauen.

Kinderlachen wies uns den weitern Weg durchs Dorf. Wir fanden das Schulhaus und es war gerade Pause. Die Kinder umzingelten uns jubilierend. Abwechslung. Wath is your name? Where do you come from. Die Kinder posierten stolz vor unserer kleinen Kamera. Die Lehrer namens gelassen. Die Crew der Holländischen Segeljacht ALONDRA war auch auf dem Schulhof. Auf ihr fährt als Deckshand eine junge Südafrikanische Musikerin. Spontan begann sie an zu singen und die Kinder fielen sofort und mit grosser Begeisterung mit ein. Es wurde ausgelassen getanzt, geklatscht und gesungen. Nadia versprach am Nachmittag mit der Gitarre vorbeizukommen.

Nadias Konzert in der kleinen Schule von Mohammed Quol wird niemand vergessen, der dabei war. Die Kinder flippten aus, wie die Beatles Fans in den späten 60er Jahren. Alle waren in den besten Kleidern. Auch die wenigen Männer im Dorf gesellten sich zum fröhlichen Reigen. Nur der Dorfpolizist war muffig. No Fotos, befahl er. Schade.

Ich schlich mich aus dem Konzert davon und erhielt eine weitere spontane Einladung von Frauen, mich zu ihnen hinzusetzen. Ich fragte sie, warum sie nicht auch Nadias Konzert sehen wollen? Weil wir Araberinnen sind, lautete die Antwort. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Wir Araberinnen dürfen hören, aber wir dürfen nicht sehen.

Lange hab ich darüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen; wem das Sehen verboten ist, sieht meist scharf.

Murphy an Bord



Herrliches Segeln mit Murphy an Bord

Am 2. Januar 2008 am Zollsteg in Port Ghalib, Ägypten wurden wir von freundlichen Beamten mit dem Ausreise Stempel in den Pässen verabschiedet. Gute zwei Monate hatten wir in diesem vielschichtigen Land verbracht.
Am Morgen des nächsten Tages liefen wir in der frühen Morgendämmerung aus. Die geplante Etappe sollte uns direkt in den Sudan bringen. Das Schiff auf Hochglanz poliert und alle Tanks voll, frisches Brot und reichlich Gemüse und Früchte an Bord. Käpten und Crew bester Laune.

Schon bald segelten wir munter unter dem Parasailor (moderner Spinaker) fast so schnell, wie der Wind.
Segeln ist halt doch schöner als Fliegen, fanden wir.
Wir hatten Zeit zu faulenzen. Steht das Segel, dann gibt es ausser Gucken nicht mehr viel zu tun. Der Käpten wird dann rührig und tut Dinge, wie in Bilgen schauen, die seit immer trocken waren. Heute waren sie NICHT trocken…

10 Liter Wasser (Salziges) plätscherte. Die Leckage war schnell gefunden. Die Dichtung des Propeller Schaftes tropfte. Jegliche Theorien, dass sich da vielleicht ein schnell wachsender, kleiner Muschel-Terrorist oder ähnlich, welcher von selber flüchten würde, ein verirrtes Sandkorn oder das Wunder der Selbstheilung erwiesen sich als Wunschdenken.

Und PRESENT segelte schnell und bequem. Mit dem Wasser schöpfen wechselt wir uns ab. Alle Stunden circa 3 Liter. Nicht lebensgefährlich, aber unangenehm. Der Sonnenuntergang war sensationell schön. Spinacker runter und Genua raus. Und weiter ging die flotte Fahrt.

Wir schalteten die Positionslichter ein und obwohl der Schalter an war, war da kein Licht. Mittlerweilen hatte er Wind auf über 20 Knoten aufgefrischt und die Wellen kamen auch immer etwas höher. Der Käpten krabbelte in die Bugspitze (Schwimmweste und gut angebunden) und sah, dass die Birnen in Takt sind. Also ein Problem mit den Kontakten. Nicht ganz einfach bei Nacht.

Via Funk informierten wir, dass wir keine Lichter haben und sofort meldete sich die Holländische Yacht „Alondra of London“. Alondra änderte den Kurs und schloss schnell zu uns auf. Sie fuhr dicht vor uns und leuchtet für uns. PRESENT segelte mit gereffter Genua durch die Nacht.
Da eh immer einer von uns auf Wache ist, war das stündliche Wasserschöpfen an sich kein Problem. Die Schweinerei mit dem Salzwasser im Schiff hingegen schon. Der Schweizerische Puritaner ist da nicht gerade hilfreich. Fünf Minuten schöpfen und dann zehn Minuten putzen. Unsere kostbaren Wasservorräte wurden sinnlos verputzt.

Der Sonnenaufgang präsentierte sich in Pastell. Alpenglühen im Meer,- dem roten Meer.

Der Wind blies noch immer stetig direkt von hinten in die Segel und wiederum setzten wir den Parasailor. PRESENT machte unglaublich schnelle Fahrt. Wir schöpften Wasser.

Wir waren nun schon mehr als 24 Stunden unterwegs und die Servicebatterie meldete Durst nach einigen frischen Ampers. No Problem. Der Generator bringt die notwendige Energie. Nicht an diesem schönen Morgen. Der Generator lief wohl, aber er fütterte die Batterie nicht. Immer noch kein Problem, dafür haben wir ja noch den grossen Schiffsmotor. Der lief brav an, aber auch er liess die Batterie kalt. Dazwischen schöpften wir Salzwasser aus der Bilge.

Da die Navigation auf dem Schiff hauptsächlich über den PC gemacht wird, welcher wiederum an von der Servicebatterie gespiesen wird, mussten wir neben dem Wasserschöpfen und Segeln auch noch die gute alte Handnavigation vorbereiten. Eine Überseglerkarte, die Wegpunkte aus dem Pilot-Buch, der Peilkompass wurden subito entstaubt.

Durch das Fummeln am Propellerschaft hatte sich ein Verbindungskabel zum Alternator gelöst Die Batterie erholte sich schnell (und wir auch). Die Kontakte zu den Positionslichtern waren auch bald sauber gemacht.

Um 10 Uhr liessen wir uns nieder zu einem guten Frühstück. Delfine schwammen rund um uns rum. Segeln ist halt wunderschön. Und dann ging wieder einer Wasser schöpfen.

Nach 55 Stunden passierten wir die Grenze zu Sudan und kurze Zeit später liessen wir den Anker fallen in der wild romantischen Bucht „Kor el Marob“.
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Mittwoch, 12. März 2008

das rote Meer



Das Rote Meer, Zusammenfassung einer spannenden Reise

Cirka 80% aller Segeljachten passieren das Rote Meer von Süden nach Norden. Für sie ist der „Bab el Mandeb“ (Arabisch für das Tor der Tränen) der Eingang in eine enge, lange, mühsame und nicht ungefährliche Strecke bis nach Port Suez.

Für uns ist das Tor der Tränen der Ausgang. Wir sind durch. 1400 Meilen weit sind wir gereist, mehr als 70% unter Segeln. Dreieinhalb Monate haben wir uns Zeit gelassen und das war gut so.

Gnadenlos, sagt der Käpten und wenn ich in den Kühlschrank schaue, dass muss ich ihm zustimmen.

Der Käpten spricht von den langen Starkwindperioden, von der steilen, kurzen See, von den Korallenriffen, der Gegenströmung und den ungenauen Seekarten.
Für mich ist der Anblick des abgetauten, leeren Kühlschranks gnadenlos. Eine Orange, ein Rest eines Kohlkopfes und reichlich Zwiebeln und Knoblauch repräsentieren die Frischprodukte. Gnadenlos.

Schauen wir zurück dann haben sich starke Bilder in unseren Köpfen festgesetzt.
Die aussergewöhnlichen Ankerplätze (Marsas) welche man erreichen kann durch schmale, enge Passagen durch Korallenriffe. Rundherum Wüste. Keine Wellen mögen rein, aber der Wind pfeift ungebremst. Delfine, Rochen und jede Menge farbige Fische tummeln sich ums Boot.
Das Meer ist sehr fruchtbar. Der Schiffsrumpf ist voll bewachsen mit Algen, Muscheln und Seegras. Putzen ist im warmen, klaren Wasser nicht übel, aber es nützt wenig.

Die umwerfenden Sehenswürdigkeiten Ägyptens. Das mühsame Spiesrutenlaufen auf den Märkten in den touristisch erschlossenen Orten wie Hurghada. Klebrige Teppichhändler und Bakschisch heischende „Offizielle“.
Das sind Erinnerungen an den Norden des Roten Meeres.

Im mittleren Teil sind es die wilden und einsamen Küstengebiete. Der stetige und steife Nordwind. Viele Meilen segeln wir, ohne je ein anderes Schiff vor die Augen zu bekommen. In diesen kargen Gebieten hat es nicht einmal Fischer.

Sudan mit seinen sanften, liebenswürdigen Menschen. Hochgewachsen und gertenschlank. Die Gesichtzüge fein geschnitten und darin die lebhaften, grossen braunen Augen. Die in Trümmer liegenden aus Korallen gebaute Stadt Suakin. Die Ruinen zeugen von grossem verflossenem Reichtum. Pollution ist kein Thema, das Land ist zu spärlich bevölkert und mausarm.

Das gemächliche Reisen in Richtung Süden, erlaubt es den Wandel der Vegetation zu beobachten. Vom Nichts hin zum spärlichen Grün hin zu den üppigen Mangrovenwäldern im Süden Eritreas. Der Regen in der Konvergenzzone. Bis dahin Wind aus Nord und von das aus Wind aus Süd. Es wird immer wärmer und ab 14 Grad nördlicher Breite ist in der Nacht das gewaltige Sternbild „Kreuz des Südens“ zu sehen.

Das Bab el Mandeb passieren wir in der ersten Flaute seit Monaten unter Motor. Die steilen, schwarzen Hänge der vulkanischen Küste Jemens tauchen auf. Und plötzlich beginnt das bis anhin spiegelglatte Meer an zu schäumen.

Das Schiff vibriert kurz und dann haben wir die Schwelle zum Golf von Aden passiert. Das Meer liegt wieder ruhig und glatt.