Sonntag, 23. Dezember 2007

Ägypten




Wir weilen seit mehr als zwei Monaten in einem Biblischen Land. Maria und Joseph sind vor ungefähr 2000 Jahren mit dem kleinen Jesus hier her geflüchtet vor Herodes Buben-Killer-Horden. Damals liebeäugelten die Römer mit der schönen Königin Cleopatra, die das fruchtbare Land am Nil regierte. Die Römer waren sehr beeindruckt von den hiesigen Baukünsten und unterliessen es die Tempel zu schleifen. Vielmehr fügten sie hinzu und dies auf adaptierte Weise. Osiris und Isis wurden nicht angetastet. Der den Beiden gweihten Tempel in Assuan ist ein Meisterwerk und zeigt die Heiligkeit der Familie auf eindrücklichste Weise. Da ist Mutter, Vater, Kind.





Der Schlüssel des Lebens hat die Form eines Kreuzes mit einem Halbkreis obenauf (der Heiligenschein?).
Immer wieder fragen wir uns, wann die Hochkulturen verloren gegangen sind.
Das Ägypten, wie wir es jetzt erleben, ist so vielschichtig und so schwierig.
70 Milionen Menschen leben im Land (gemäss offiziellen Angaben, die ich heute bezweifle). Alleine in Kairo und im Nildelta sollen es ungefähr 50 Milionen sein. Wo die anderen 20 Millionen sein sollen, ist für uns ein Rätsel.

Die wichtigsten Einnahmequellen des Landes sind der Suezkanal, Erdöl, Landwirtschaft und Tourismus.
Gut hat es, wer Bauer am Nil ist (seit der Fertigstellung des Nasser-Staudammes wird’s aber auch für sie schwieriger). Ein Schweizer Bergbauer lebt härter.
Vom Tourismus leben Wenige gut und Viele eher schlecht als recht. Der Kanal und das Erdöl nährt die Elite. Den Beduienen ist es eh wurscht, weil die Wüste so gross ist.
Schlecht geht es der Masse, welche nirgends Fuss fassen kann. Kleine Händler, die einen festen Laden betreiben, haben in der Auslage ein Angebot, welche jeden Laden vor der Peristrojka in Russland füllig erscheinen lässt. Die fahrenden Kaufleute sind mit Eselskarren unterwegs. Doch wer soll kaufen?
Hühner und Tauben auf dem Dach für die Glücklichen und das Nichts für die Unglücklichen. Wer für den Staat arbeitet, ist nicht auf der Sonnenseite sondern in der Zwickmühle. Der Lohn reicht fürs nackte Überleben. Doch immer noch besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.Nun, wo sollen wir uns einordnen? Wir sind Beobachter und versuchen höfliche und zurückhaltende Gäste im Land zu sein. Meist gelingt das recht gut. Doch als Segler passen wir nicht ins Schema. Souvenierartikel, Teppiche und Schmuck interessieren uns nicht. Wir kaufen Früchte, Gemüse, Wasser und Reis ein.


Heute ist es mir passiert, dass der Gemüsehändler auf meine Frage nach den Preisen 30 Pfund (6 CHF) für ein Kilo Zwiebeln wollte, auf weitere Nachfrage wollte er für ein Kilo Orangen 20 (4 CHF) Pfund, dann für ein Kilo Karotten 10 Pfund und dann für eine Kilo Limonen 5 Pfund, also einen Franken. Nach so langer Zeit im Land weiss ich, dass ein Kilo Zwiebeln normalerweise 25 Piaster kostet. Da wir mit der Rally sehr gemächlich reisen, ist meine Erfahrung, dass der gleiche Gemüsehändler mir, wenn ich morgen wieder auf den Markt gehe, das Kilo Zwiebel zu fünzig Piastern anbieten wird. Und der Gemüsehändler weiss, dass ich morgen bei ihm einkaufen werde
Irgendwann wird’s auch dem geduligen Reisenden zu viel. Blaue Augen sind = Geld und Sex. Irgenwann hab ich einem Ali echt ins Gesicht geschrien, dass er einfach seine Augen von mir lassen soll. Meine Nase war gestrichen voll. Ali hat dann sehr beleidigt reagiert. Worauf ich ihm sagte, dass es mich sehr glücklich mache, ihn zu beleidigen. Ich fühle mich fast jeden Tag mindestens einmal Mal beleidigt von Typen wie ihm.

Was wollen wir sagen über Ägypten, wie wir es sehen und erleben.

Es ist ein Land der Märchen und der Tränen. Ein Konzept scheint es nicht zu geben. Der Islam wirkt hier auf gewisse Kreise, wie Opium.
Die Stimmen von den Minaretten kommen alle via Lautsprecher. Das Gebet ist ist verzerrrt und unverständlich.

Freude macht der Anblick der Schulkinder. Auch die Mädchen grüssen fröhlich und lassen sich noch so gerne auf ihre Englischkenntnisse testen. Zwei etwa 10jährige haben mir ihr Schulbuch gezeigt und ich war echt beeindruckt, wie flink sie lesen. Immerhin müssen sie ein anderes Alfabeth lernen.

Unsere Art zu Reisen erlaubt es auch immer wieder ein „time out“ zu nehmen. Wir ankern hinter einem Riff und sind „maus-bein-allein“. Das Schiff bietet Komfort, Ruhe und Sicherheit.
Weit weg von der „Zivilisation“ begegnen wir der Natur. Diese bietet uns einen grossen Horizon, manchmal Wind und Wellen, die herrlichen, bunten Riffe mit ihren Gefahren, aber in ihr finden wir uns wieder.




Mittwoch, 5. Dezember 2007

Suezkanal, nicht ganz einfach

Stress


Dyonisus noch ohne Schaden. Später auf eine Boje gelaufen.


Bash wenige Tage vor seinem Tod

Suez Kanal

Die Passage ist für ein Segelboot kein Honigschlecken. Der Kanal ist gebaut für die grossen Schiffe. Für die kleinen fehlen die Infrastruktur und das Interesse. Zuwenig Geld liegt drin, also steht man als Segler ganz hinten an.
Die Strecke ist mehr als 150 Kilometer lang. Die Handelsschiffe fahren am Morgen von Süd nach Nord und am Nachmittag von Nord nach Süd. Der Kanal ist zu schmal um darin zu kreuzen. Aber in der Mitte ist er frei von jedem Unbill. Nur wir Kleinen, wir müssen an den Rand und dort hockt der Unbill und zeigt seinen verschiedenen Gesichter. Alte Seezeichen und ausgediente Bojen, Untiefen, Bauschutt im Wasser, Treibgut, Fischerboote, schwimmende Kinder, überall am Ufer gelangweilte Soldaten mit ihren Gewehren und auf der anderen Seite die riesigen Tanker und Containerschiffe. Alle paar Minuten kommen die gigantischen Bugwellen und schütteln die Kleinen durch. Ups,- auf der Geisterbahn an der Herbstmesse geht der Adrenalin Spiegle weniger hoch. Und die Geisterbahn dauert vielleicht 10 Minuten. Für die Passage durch den Suezkanal braucht ein Segelboot 18 Stunden.

Eine erste Gruppe mit sechs Rally-Booten fuhr um 06.00 los. Sie kamen in faustdicken Nebel. Sichtweite 15 Meter. Der Lotse auf dem ersten Boot verlangte eine Fahrtgeschwindigkeit von 6 Knoten (10 km/H). Der Skipper weigerte sich. Die Kanalbehörde reagierte mit einer bösen Strafaktion und verweigerte der ganzen Gruppe die Zufahrt nach Isamailia, welches Schutz und Pause bieten würde und zwang sie, die ganzen 150 Kilometer ohne Stopp zu machen. Ein Boot wurde vom Lotsen auf eine ausrangierte und unbeleuchtete Boje geführt und erlitt beträchtlichen Schaden am Schiffsrumpf. Die Kanalbehörde wies jede Schuld von sich: verantwortlich ist der Skipper!

In der zweiten Gruppe starteten wir nicht wie geplant um 10.00 sondern zwei Stunden später um 12 Uhr. Wir wussten nichts vom Schicksal unserer Kameraden in der ersten Gruppe, weil die Lotsen an Bord die Funkanlagen zu 100% beanspruchten und somit die Kommunikation unterbanden. Frohgemut tuckerten wir los. Unser Lotse war ein kugelbäuchiger, bärtiger Frömmler. Demonstrativ legte der Koran neben das Steuer.
Rolf und ich hatten schon vorher abgesprochen, dass ich jeden Befehl von Rolf annehme und „meine Schnauze“ halten werde (Riiiiiiiesenopfer).
Auf ging die fröhliche Fahrt mit einem Anker-auf-Manöver, welches wir hinlegten, genauso wie wir das immer tun. Rolf steht beim Anker vorne und zeigt mir an, wie ich zu fahren habe. Das geht ohne Worte. Der Lots war sprachlos und getraute sich nicht, mir ins Steure zu langen. Wir fuhren langsam in den Kanal und Rolf klarierte das Schiff. Erst als wir sicher in der Fahrrinne waren, kam er ins Cockpit und nickte dem Lotsen freundlich zu. Der war immer noch sprachlos.

Ich verkrümelte mich in die Küche. Na, dachte ich mir, des Lotsen Bauch ist rund.
Ich drückte ihm eine neue, verschlossene Flasche Trinkwasser in die Hand und sagte:“ das ist ihre Flasche. Wünschen sie eine Glas?“
Eine halbe Stunde später servierte ich eine perfekt reife Mango hübsch angerichtet. Er konnte nicht widerstehen. Dann folgten ein Thonsalat im Pitthabrot und darauf Schokoladenkuchen mit Kaffee und dann getrocknete Aprikosen und Mandeln mit Thé. Rundbauch war und blieb bei Laune.
Er vergass den Koran (wir mussten ihm das Buch zum Schluss nachtragen, er hatte es an Bord vergessen).
Irgendwann fragte er, ob wir nicht schneller fahren könnten. Rolf sagte ja. Und ich stöhnte: dann wird der Motor wieder heiss. Der Lotse schaute mich mit entsetzen Augen an. Ich tauchte wieder ab in die Küche. Rolf drosselte den Motor und wir tuckerten in angenehmer Geschwindigkeit durch den Kanal.
Der Nachmittag verflog und die Sonne verschwand hinter den Bergen der Libyschen Wüste. Die Lichter von Ismailia tauchten auf und dann ging unser Lotse an den Funk und brüllte irgendetwas. Mit einem zufriedenen Lächeln kam er zurück und zeigte mir die Fotos seiner süssen Babys. Auf seine Frage nach unseren Kindern, machte Rolf den kapitalen Fehler, dass er locker hinwarf: wir habe keine Kinder. Unser Lotse (Abbas) versank in Trauer und Lethargie. In der Einfahrt nach Ismailia überliess er mir willig und kampflos das Steuer. Zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit hatten wir die erste Hälft des Kanals geschafft und lagen sicher und gut geschützt in der gepflegten und grosszügigen Marina. Wir staunten, dass kein anders Boot der Rally da lag.
Kurz darauf folgten aber die andern fünf Boote unserer Gruppe und wir waren schon etwas erleichtert.
Erst später vernahmen wir, dass auch wir von der Kanalbehörde durch die Nacht hätten gepeitscht werden sollen. Aber unser guter Abbas berichtete der Behörde, dass PRESENT einen leicht erhitzbaren Motor habe und das eine Weiterfahrt nicht zu verantworten sei!!!!

Wir genossen zwei herrliche Tage im gepflegten Isamailia (Präsident Mubarak hat hier seine Villa) und genossen die Einkaufsmöglichkeiten. Die dritte Sechsergruppe Rally-Boote erreichten uns am nächsten Abend. Wir organisierten ein gemeinsames Abendessen in Form eines gehobenen „Fresshöcks“ wie in den alten Pfadi Zeiten. Jeder brachte sein Abendessen und stellte es aufs Buffet. Es war eine ausgelassene Völlerei.

Und dann, ich wollte eben ins Bett, rief mich der Skipper der „Alondra of London“ wegen eines Medizinischen Problems. Der alte Boxer Hund Bash sei nicht fit. Ich ging rüber und fand den alten Bash im Sterben. Die Crew der Alondra und der Hund waren sehr gestresst. Also setzte ich mich hin, nahm den alten Hund in die Arme und begann ihm ein kleines Kinderlied in das alte Ohr zu singen. Der Crew sagte ich, dass Bash jetzt eigentlich gerne sterben möchte und dass er das auch dürfe. Bash ist nach zwei Stunden sehr, sehr friedlich auf meinem Schoss eingeschlafen und ist direkt in den Hundehimmel geflogen. Dort wo jeder Baum duftet, wo Kaninchen sich freiwillig jagen lässt und Rottweiler sich benehmen wie Schafe. Dort wo immer jemand einen Stecken wirft und Ball gespielt wird den ganzen Tag lang.Bash ist in Ismailia begraben worden. Er hatte ein tolles und spezielles Hundeleben.

Doch Segel heisst, weiter gehen. Für den zweiten Teil des Kanals hatten wir einen pensionierten Lotsen an Bord. Der alte Knacker wurde aus seinem Ruhestand gerufen, weil die Kanalbehörde schlicht nicht genügend Männer zur Verfügung hatte.
Said hat keinen Bauch…..? und nur noch etwa drei Zähne (auch keinen Bart und keinen Koran).
Mir scharfen Augen verfolgte er unser Ablegemanöver (Frau am Steuer).
Die Wasserflasche lehnte er ab. Eine Dose Coca Cola war da viel willkommener.
Ich legte ihm Malboro-Zigaretten hin und damit war Said unser Mann.
Rolf berichtete ihm von unseren fünf Söhnen….. Und Said war den ganzen Tag über glücklich. Er erzählte von Krieg und Frieden von der Arbeit auf dem Kanal und von seinen beiden Söhnen. Er übersprudelte und sagte immer wieder: this is a holly day. I just love to be on the Canal and I love to be with you.
Wieder wurde es sehr dunkel bis wir Port Suez erreichten. Said übergab mir lachend das Steuer und wir legten an, an zwei Bojen. Said war echt begeistert und klopfte sich die Knie, als das nächste Schiff mehr als drei Mal soviel Zeit brauchte für das gleiche Manöver. Als er von Bord ging drückte ich ihm einen Sack voller Süssigkeiten und Cola in die Hand. Und er küsste mich respektvoll, gab mir einen liebevollen Drucker und er bedankte sich für den wunderschönen Tag mit uns.

Die 90 Meilen durch den Suezkanal waren anspruchsvoll. Weil sie verlangen eine permanente Präsenz. Bei schlechter Sicht wird die Passage zum Abenteuer. Leider hat auch ein zweites Boot Schaden erlitten. In diesem Falle aber stand der Lotse zu seinem Fehler und er wurde von der Crew total in Schutz genommen. Und das erstaunt uns nicht. Auch sehr routinierte Lotsen können nicht alles sehen und der Kanal ist stetiger Veränderung unterworfen. 18 Stunden Aufmerksamkeit sind eine lange Zeit und eine Priese Pech oder eine Portion Nachlässigkeit können schnell ihren Tribut fordern.

Ankunft in Ägypten, Port Said

gut parkiert


lebendiges Strassenbild


Wir sind offiziell ausgerüstet mit einer Niederlassungsbewilligung in Ägypten. Bei keinem Amt mussten wir persönlich vorbei und die entsprechenden Stempel erhielten wir innert Tagesfrist. Pro Monat bezahlen fix 80 US Dollar Steuern pro Person. Somit sind wir überdurchschnittlich gute Steuerzahler hier im Land.
Gemäss Plan sind wir gute drei Monat hier, aber wer weiss… für die Passage durch den Kanal bezahlen wir 350 US Dollars. Damit kommen wir gnädig weg. Der Vermesser fand mich alleine an Bord und war zu höflich, mich, resp. das Schiff mit dem Messband zu belästigen.

In Port Said liegen die 18 Vasco da Gama Boote in einem gut bewachten, geschlossenen Areal. Jedes Mal wenn wir das Gelände verlassen, müssen wir unsere Pässe zeigen und dann folgt uns ein Bodyguard. Ausser wir schütteln ihn ab. Das geht ganz einfach. Man sagt dem Bodyguard, dass man vor hat mindestens drei bis vier Kilometer zu Fuss durch die Stadt zu gehen. Das ist dem Bodyguard aber zu weit. Und dann übersieht er dich, wenn du zum Tor raus schlüpfst.
Die Situation ist schizophren. Doch der Staat hat schlicht Panik vor schlechten Schlagzeilen, was den Tourismus und Westliche Ausländer betrifft. Fakt ist, dass der politische Islam hier im Land wenig Verständnis in der breiten Öffentlichkeit findet. Doch die 5% Fanatiker bieten eine gute Plattform für viele Arbeitplätze im Sicherheitsbereich.

In der Stadt geht es stressfrei zu und her. Ganz entspannt konnten wir heute zuschauen, wie ein Hammel auf der Strasse gehäutet und ausgenommen wurde. Im Kaffeehaus neben an sassen viele Männer und einige quitsch lebendige Schafe einträchtig beisammen. Vor dem Kaffeehaus waren Autos parkiert, darunter ein echt schicker BMW und dazwischen, ganz selbstverständlich stand ein Esel mitsamt Karren. Ja wo sollte er denn sonst stehen, wenn nicht in einer Parklücke.

Farbenfroh präsentiert sich die aktuelle Damenmode. Die jungen Frauen tragen knallenge Jeans ein langärmliges Leibchen (auch knalleng) und drüber Minikleider. Die Kopftücher sind kunstvoll geknotet und farblich abgestimmt. Das Make Up betont die Augen und hellt die Haut auf (Weiss ist schick). Wenige tragen die schwarze Burka und wenn, dann in bester Seidenqualität mit kunstvollen Stickereien. Viviana und ich haben festgestellt, dass die Kostüme am Karneval von Venedig durchaus bestehen könnten.

Unser erster Ausflug in die Stadt war sehr zweckbestimmt.
Es galt lokale Währung aufzutreiben und Telefonkarten.
Während Viviana sich mit einem Vodafone-Karten-Händler stritt, stellte ich mich diskret in den Hintergrund und studierte das Angebot rund um mich rum. Da blieb mein Blick auf einem Kühlschrank hängen, in welchem ein Dutzend Flaschen Bier standen. Neugierig guckte ich näher hin und sah: eine Beiz.
Ich fragte den Beizer: ist das Bier? Er nickte. Ich fragte flüsternd: Richtiges Bier mit Alkohol? Lautstark begann er den tollen Alkoholgehalt des Biers zu preisen: Psssst flüsterte ich. Der Beizer fand mich umwerfend lustig. Ok. Viviana, welche fertig gestritten hatte, war etwas ausgelaugt und so setzten wir uns in die Beiz und bestellten ein Bier. Wir fanden das Getränk durchaus angenehm kühl, es stieg uns pronto in den Kopf. Der Preis für eine Flasche anständiges Bier: 9 Ägyptische Pfund das entspricht zwei Schweizer Franken.

Der beste Soldat auf der Erde???


Ein Besuch im Kanal- und Militärmuseum war äusserst lehrreich. Farbenfroh und detailgetreu sind alle gewonnen Schlachten der Ägyptischen Armee dargestellt. Verloren hat der beste Soldat der Welt noch nie einen Krieg. Ausgestellt sind zwei Israelische Panzer und Fragmente eines Flugzeuges. Auch die Britischen Armee und selbstverständlich die Römer hatten keine Chance.Wir kamen uns vor, wie in einem Comic Heft

Schafe in der Beiz


Grosse Beute.

Port Said ist eine lebendige Stadt. Die Französische Kolonial Architektur beherrscht die Innenstadt. Auffallend ist, dass viele Kirchen ihren Platz hier nicht verloren haben.
Die Koptische Kirche ist sehr lebendig. Katholische, Anglikanische und Orthodoxe scheinen auch zu funktionieren. Ganz anders das Italienische Generalkonsulat. Die Fahne ist gehieft, aber das Gebäude verlassen (vermutlich sitzt der Generalskonsul lieber am roten Meer).

Gastfreundliches Zypern

Fantastischer Start. Alondra auf der Startlinie


Zypern aus einer neuen Optik

Die 18 Vasco da Gama Rally Boote haben Larnaca in Zypern sicher erreicht. Abgesehen von einigen beschädigten Segeln und einem Motorendefekt.
Die Überfahrt von Mersin im Südosten der Türkei war recht temperamentvoll. Der Wetterbericht war gut und wir alle rechneten mit wenig Wind. Doch mit den Wetterprognosen ist das ungefähr wie mit Expertentipps für die Börse.
Die Realität auf dem Meer war nicht kompatible mit der Vorhersage. Ein bissiger Wind und Wellen bis zu drei Meter hoch, schüttelten die kleinen Boote tüchtig durch. Unsere PRESENT liess sich von einem doppelt gerefften Vorsegel durch die Wellen ziehen und zeigt keine Schwäche. Dennoch war es eine Nacht, in der unsere Schwimmwesten und die Sicherheitsleinen angenehm zu tragen waren.
Kurz nach dem Sonnenaufgang kam Cap Greco in Sicht und endlich im Schutz der Insel vermochten die Wellen nicht mehr anzulaufen. Mit einem herrlichen Wind von querab erreichten wir die geschützte Marina in Larnaca.

Vor zehn Jahren hatten Rolf und ich einmal einen zweiwöchigen Urlaub auf Zypern verbracht und die Erinnerung daran ist eher durchzogen. Das Hotel wurde von der Pampers-Mafia beherrscht. Ca 30 Kleinkinder führten das Zepter über den Speisesaal und den Swimmingpool. Ein Nuggi (Schnuller) in meinem Weinglas am ersten Abend war nur der Auftakt zu weit Üblerem.
In den Seglerkreisen erfreut sich Zypern nicht über einen guten Ruf. Wenig bis keine freien Plätze in den wenigen Marinas, träge und mühsame Behörden, faule Einheimische und dazu soll alles sau teuer sein.

Nun, wir haben die Insel von ihrer schönsten und liebeswürdigsten Seite kennen gelernt. Das Wetter liess nichts zu wünschen übrig. Zwei tolle geführte Ausflüge in und um Larnaca brachten uns die Kultur, Geschichte und das aktuelle Leben hier näher. Unter der Teilung der Insel leiden alle Zyprioten (orthodoxe und muslimische).
Hier in Larnaca ist die Moschee in Betrieb und das ist doch ein echter Hoffnungsschimmer. Lustig und sehr ausgelassen ging es zu und her auf einer Internationalen Freundschafts-Seglerregatta. Rolf und ich sind auf der „Alondra of London“ als Crew mitgesegelt. Da wir keine Ahnung haben von den Regattaregeln war das gut so. Der Skipper legte einen fantastischen Start hin, aber mit den leichten Winden hatten wir auf dem schweren, alten Holzschiff keine Chance gegen die leichten Kleinen.
Die Preisverleihung war ein begeistertes Zusammenkommen mit den hiesigen Seglern.
Einkaufen war ein grosses Thema. Wein, Bier, Schinken und Geräuchertes musste an Bord. Brillen und Hosen, langärmlige Klamotten für die kalten Nächte in Ägypten.

Der Stadtpräsident, das Kulturministerium und der Yachtklub veranstalteten Anlässe zu unserem Vergnügen. Rund herum verwöhnt, die Boote wieder geputzt und frisch aufgefüllt, liegt vor uns die Etappe nach Port Said und dem Suezkanal.

Literaturempfehlung: The Aphrodite Plot. Autor: Michael Jansen