gut parkiert
Wir sind offiziell ausgerüstet mit einer Niederlassungsbewilligung in Ägypten. Bei keinem Amt mussten wir persönlich vorbei und die entsprechenden Stempel erhielten wir innert Tagesfrist. Pro Monat bezahlen fix 80 US Dollar Steuern pro Person. Somit sind wir überdurchschnittlich gute Steuerzahler hier im Land.
Gemäss Plan sind wir gute drei Monat hier, aber wer weiss… für die Passage durch den Kanal bezahlen wir 350 US Dollars. Damit kommen wir gnädig weg. Der Vermesser fand mich alleine an Bord und war zu höflich, mich, resp. das Schiff mit dem Messband zu belästigen.
In Port Said liegen die 18 Vasco da Gama Boote in einem gut bewachten, geschlossenen Areal. Jedes Mal wenn wir das Gelände verlassen, müssen wir unsere Pässe zeigen und dann folgt uns ein Bodyguard. Ausser wir schütteln ihn ab. Das geht ganz einfach. Man sagt dem Bodyguard, dass man vor hat mindestens drei bis vier Kilometer zu Fuss durch die Stadt zu gehen. Das ist dem Bodyguard aber zu weit. Und dann übersieht er dich, wenn du zum Tor raus schlüpfst.
Die Situation ist schizophren. Doch der Staat hat schlicht Panik vor schlechten Schlagzeilen, was den Tourismus und Westliche Ausländer betrifft. Fakt ist, dass der politische Islam hier im Land wenig Verständnis in der breiten Öffentlichkeit findet. Doch die 5% Fanatiker bieten eine gute Plattform für viele Arbeitplätze im Sicherheitsbereich.
In der Stadt geht es stressfrei zu und her. Ganz entspannt konnten wir heute zuschauen, wie ein Hammel auf der Strasse gehäutet und ausgenommen wurde. Im Kaffeehaus neben an sassen viele Männer und einige quitsch lebendige Schafe einträchtig beisammen. Vor dem Kaffeehaus waren Autos parkiert, darunter ein echt schicker BMW und dazwischen, ganz selbstverständlich stand ein Esel mitsamt Karren. Ja wo sollte er denn sonst stehen, wenn nicht in einer Parklücke.
Farbenfroh präsentiert sich die aktuelle Damenmode. Die jungen Frauen tragen knallenge Jeans ein langärmliges Leibchen (auch knalleng) und drüber Minikleider. Die Kopftücher sind kunstvoll geknotet und farblich abgestimmt. Das Make Up betont die Augen und hellt die Haut auf (Weiss ist schick). Wenige tragen die schwarze Burka und wenn, dann in bester Seidenqualität mit kunstvollen Stickereien. Viviana und ich haben festgestellt, dass die Kostüme am Karneval von Venedig durchaus bestehen könnten.
Unser erster Ausflug in die Stadt war sehr zweckbestimmt.
Es galt lokale Währung aufzutreiben und Telefonkarten.
Während Viviana sich mit einem Vodafone-Karten-Händler stritt, stellte ich mich diskret in den Hintergrund und studierte das Angebot rund um mich rum. Da blieb mein Blick auf einem Kühlschrank hängen, in welchem ein Dutzend Flaschen Bier standen. Neugierig guckte ich näher hin und sah: eine Beiz.
Ich fragte den Beizer: ist das Bier? Er nickte. Ich fragte flüsternd: Richtiges Bier mit Alkohol? Lautstark begann er den tollen Alkoholgehalt des Biers zu preisen: Psssst flüsterte ich. Der Beizer fand mich umwerfend lustig. Ok. Viviana, welche fertig gestritten hatte, war etwas ausgelaugt und so setzten wir uns in die Beiz und bestellten ein Bier. Wir fanden das Getränk durchaus angenehm kühl, es stieg uns pronto in den Kopf. Der Preis für eine Flasche anständiges Bier: 9 Ägyptische Pfund das entspricht zwei Schweizer Franken.
Der beste Soldat auf der Erde???
Ein Besuch im Kanal- und Militärmuseum war äusserst lehrreich. Farbenfroh und detailgetreu sind alle gewonnen Schlachten der Ägyptischen Armee dargestellt. Verloren hat der beste Soldat der Welt noch nie einen Krieg. Ausgestellt sind zwei Israelische Panzer und Fragmente eines Flugzeuges. Auch die Britischen Armee und selbstverständlich die Römer hatten keine Chance.Wir kamen uns vor, wie in einem Comic Heft
Grosse Beute.
Port Said ist eine lebendige Stadt. Die Französische Kolonial Architektur beherrscht die Innenstadt. Auffallend ist, dass viele Kirchen ihren Platz hier nicht verloren haben.
Die Koptische Kirche ist sehr lebendig. Katholische, Anglikanische und Orthodoxe scheinen auch zu funktionieren. Ganz anders das Italienische Generalkonsulat. Die Fahne ist gehieft, aber das Gebäude verlassen (vermutlich sitzt der Generalskonsul lieber am roten Meer).


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