Sonntag, 5. August 2007

Krank an Bord

Krank an Bord

Fieber, Frösteln, Kopfweh und alle Gelenke schmerzen. Die Laune ist im Eimer. Nur noch Bett und Ruhe.
Wenn’s dem Kapitän passiert, dann ist das eine mittlere Katastrophe,- zu Beginn und dann ist es eine Pause.
Und nun hat es den Chef erwischt. Er erwacht und da ist sie,- die Erkältung. Besorgt versucht die Crew / Ehefrau eine Bestandesaufnahme zu machen.
1. er hat sehr schlechte Laune
2. er spricht kaum und wenn, dann ist das Hüsteln oder Bellen
3. er schielt aufs Bett
4. er will keinen Kaffe (Alarmstufe rot)

Die Crew verkrümelt sich und ganz nach dem Motto, ist die Katze aus dem Haus, dann tanzen die Mäuse, wird ein disziplinloses Leben zelebriert.

Die Ehefrau hingegen hängt sich ihre vergilbte Schwesternhaube an den Kopf und sucht die verstaubte Bordapotheke. Ein Fieberthermometer wird schnell Klarheit bringen und auch ein Blutdruckapparat ist bei Hand. Fieber 38° (ernst, aber nicht hoffnungslos), Blutdruck 120 / 80 (wau, der Kerl ist noch voll dabei) und ein Puls von 100 (er ist erregt).

Die analytische Auswertung unter Berücksichtigung der Stinklaune des Käptens lassen zum Schluss kommen: er ist erkältet.

Natürlich wird diese Annahme in leicht dramatisierter Form dem Patienten verhökert. Zum Beispiel so:
Also lieber Patient, Ehemann und Kapitän, du bist 57 Jahre alt (alt), hast keinen Fusspilz (mehr), hast noch Haare auf dem Kopf (noch) und blaue Augen. Wie viel wiegst du? 74 Kilo (das ist gelogen), wann warst du das letzte mal krank? Ich war noch nie krank (hat der Alzheimer? Er war doch vor ungefähr 22 Jahren auch mal krank).
Rauchst du? Nein (stimmt, war aber nur eine Kontrollfrage. Somit ist Alzheimer ausgeschlossen). Trinkst Du? Ich versuche meiner Frau zu gehorchen, welche will ,dass ich jeden Tag mindesten zwei Liter trinke, aber das schaff ich nicht immer. (harrrrr,--).
Bist Du in den letzten drei Monaten fremdgegangen? Weib!!!!! Das geht zu weit!!!!!
Ok, Ok, war ja nur ein Scherzlein.

Der Patient verdreht seine Augen und sieht mittlerweilen jämmerlich aus der Wäsche.
Ich habe in weich geklopft. Nun kann ich ihm einen heissen Kräutertee einflössen und ein Paracetamol runter jubeln. Er kooperiert ( äh,- resigniert.)
24 Stunden später ist er wieder dabei, noch etwas miesepetrig, aber fieberfrei und über dem Berg.
Aber, da liegt nun die Crew / Ehefrau flach. Eine schlechte Laune kommt nicht auf. Die Launen sind abbestellt. Kopfschmerzen werden ins Land der Märchen verbannt und das ganze Getue rund ums Krank sein ist eh „blöd und mühsam“. Segel auf und weiter geht’s. Meinen Kräutertee hab ich dann irgendwann noch unberührt im Beutel über Bord geschmissen. Hab’s überlebt.

Der alte Mann und das Meer

Der alte Mann und das Meer

In seinem verrosteten, alten Fiat fährt er in den Hafen und parkiert direkt am Kai. Er lässt den Motor laufen und steigt langsam aus. Das Alter beutelt ihn körperlich, aber sein Stolz ist intakt. Er zündet sich eine Zigarette an und lüpft sein Käppi. Die frühe Morgensonne beleuchtet schon warm sein zerfurchtes Gesicht.
Am Steg liegt ein kleines Fischerboot. Es hat die besten Jahre längst hinter sich. Das Holz ist morsch und die Farbe blättert ab. Vertäut ist der Kahn längsseits. Regen und Meerwasser schwappen über den Holzboden. Die Farben des Regenbogens zeigen sich darin. Altöl und Dieselresten tanzen im Salz- und Regenwasser.
Mit erstaunlicher Eleganz zieht der Alte sein Boot noch näher an den Steg und mit einem grossen Schritt steht er auf der Bugspitze. Die Zigarette ist fertig geraucht und fliegt glimmend ins Meer.

Er hat ein Kabel an seinem Zigarettenanzünder im Auto festgemacht, welches eine nagelneue Elektropumpe bedient. Damit pumpt er nun sein Boot leer. Im Hafen breitet sich grossflächig das Altöl und der Diesel aus. Regenbogenfarbig.
Nun sammelt er in langsamen und bedächtigen Bewegungen noch einen alter Kanister und einige verschlissene Teile eines engmaschigen Kunststoff- Fischernetztes ein und wirft sie mit einem kraftvollen Schwung ins Wasser.

Er sieht, dass wir ihm zusehen und begrüsst uns freundlich mit kali mera, oder buon giorno oder gün aiden (guten Morgen auf Griechisch, Italienisch,Türkisch)….. und wir grüssen ihn freundlich zurück. Den alten Mann.

Reflektion: Wir stellen fest, dass wir anders aber nicht unbedingt besser sind. Lernprozesse?

Wenn einer eine Reise tut

Von der Schweiz nach Sizilien. Reisen ist nicht immer einfach.


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und meist ist er selber schuld. So ist das uns geschehen.
Mit einem riiiiiiiiesen Haufen Gepäck (mehr als 60 Kilo) sind wir per Taxi los in Richtung Bahnhof Basel SBB.

Gepackt hatten wir so lebenswichtige Dinge wie „Basler Läggerli“, Schokolade, Aromat, eine geerbte Fischerrute, neue Küchentücher und eine super Taschenlampe (aus dem Coop-Superpunkte Katalog bestellt). Ein grosses Stück Plexiglas aus dem Migros Do-it-youself , das in keinen Koffer passen war, zusammen mit der Fischerrute sorgsam auf dem grössten Koffer festgezurrt. Eigentlich hätten wir hinten eine rote Warnblicklampe anbringen sollen, wegen der Überlänge. Erschwerend waren auch die Hafenhandbücher fürs rote Meer und den Indischen Ozean sowie die See-Karten. Evas kleine Bibliothek (sicher kaum mehr als ca. 23,7 Kilos leichte, aktuelle, politische, historische und kontroverse Kost / Lektüre, verpackt in einige wenige Dutzend Büchlein) verdient eine „neben bei Erwähnung“.

Aus dem kurzen Gespräch mit dem Taxi Chauffeur, einem Türken, merkten wir, upps wir sind schon mitten drin. Er hat mit seinem Bruder zusammen ein Garni Hotel in Marmaris gleich hinter der Marina. Da wir das Schiff vor der Rally durchs rote Meer eh in Marmaris warten wollen, werde ich vermutlich beim Basler Taxi Chauffeur wohnen, während PRESENT an Land steht. Und ich werde immer wissen, was der FCB getschuttet hat.

Auf dem Bahnhof nahmen wir ganz „easy“ einen Gepäckwagen und alles, sprich die ganzen 60 Kilo fanden Platz. Auf dem Perron stand ein Cisalpino. Wir fanden den Wagen und unsere reservierten Plätze, nur die waren besetzt. Ein böser Blick und viel Gemuffel, bescherten uns UNSERE Plätze Eine Familie mit drei Kindern musste nach links, damit ein älteres Ehepaar von vorne nach hinten dislozieren konnten und somit die Kanadischen Backpackers die Notsitze belegen konnten. Alles passte, nachdem wir den Wagen gründlich umorganisiert hatten

Der Zug war poppe voll. Nach dem alle unser Gepäckstücke schön versorgt waren, hätten wir uns gerne in den „Blick“ vertieft, aber irgendetwas stimmte nicht…….
Gemäss unserem Plan sollte genug Zeit sein, um im Bahnhof ein „Fresspäcklein“ zu holen. Es war 11.55 und der Zug sollte doch erst um 12 25 fahren. Warum ist der Zug jetzt schon so voll???????? Hirn?
Falscher Cisalpino, richtiges Gleis, richtiger Wagen und richtige Sitze und richtige Richtung, aber - harrrr - falscher Zug.
In zwei Minuten, sieben! Gepäckstücke aus dem falschen Zug aufs richtige Perron hieven.
Die Mitreisenden zeigen Mitleid (wer’s glaubt zahlt den Taler). Pfui Schande, unser böser Blick und das Gemuffel waren voll daneben.

Nun lief die Reise wie aus Butter. Rechtzeitig in Genua angekommen, fanden wir ein Taxi. Für die 2 Kilometer vom Bahnhof zur Fähre bezahlten wir schlappe 35 Euro!! Wir verzichteten auf jegliche Diskussion. Das ist nie klug mit 60 Kilo Gepäck. Der Himmel war grau, es nieselte und die Wolken jagten über den Himmel. Böen im Hafen. Pünktlich um 22 Uhr legte die Fähre ab und schon nach wenigen Meilen auf dem offenen Meer begann es zu schaukeln. Die Bar war schlagartig vereinsamt.

Wir schliefen tief und sehr lang. Um 16 Uhr sahen wir die Aeolischen Inseln querab und wussten, dass der Kapitän rechtzeitig in Palermo ankommen würde. Dort schnappten wir uns, nach einer präzisen PREISABSPRACHE ein Taxi zu einem Hotel in der Innenstadt.

Früh auf, weil gemäss Internet geht der Bus von Palermo nach Siracusa um 9 Uhr. Rechtzeitig waren wir bei der Bushaltestelle mit unseren sieben Gepäckstücken und der Überlänge. In der Bigllieteria lernen wir, dass der Bus nach Siracusa um 8 Uhr gefahren ist. Der nächst geht nachmittags um 16 Uhr (welch nette Aussicht 7 Stunden mit sieben Gepäckstücken, welche insgesamt mehr als 60 Kilos wiegen an einer Bushaltestelle in Palermo rumzuhängen). Wiederum verzichten wir auf Diskussionen.

Rolf macht es sich mit dem Gepäck gemütlich. Er sitzt wie eine Henne auf sieben frisch geschlüpften Kücken und rundherum hächeln ein Dutzend Füchse. Ich bekomme Ausgang. Der Himmel ist immer noch verhangen und schon beginnt es zu Tropfen. Meine Pfadiehre verbietet mir mich in die nächste Boutique zu werfen. Stattdessen finde ich einen Bus nach Catania, welcher subito losfährt. Rolf, ich und alle sieben Kücken sind vorerst im Trockenen.

Die drei Stunden im Bus nach Catania sehen wir kaum etwas. Der Regen ist so dicht und die Strassen gleichen braunen Bächen. In Catania steht der Bus nach Siracusa gleich neben an und weiter geht die flotte Fahrt. Der Chauffeur scheint frisch verliebt zu sein. Im grössten Verkehrsgewühle säuselt er seine Bacchi in sein Telefonino, verdreht in schierem Entzücken seine Augen, kann fast nicht normal sitzen, weil sein Ding so unkontrollierbar dingig ist. Der Akku ist endlich leer.
Rolf und ich sehr erleichtert. Aber zu früh gefreut, ein echter Italiener hat heute mindesten ZWEI Telefoninos auf sich. Er fährt weiter und telefoniert. Ignoriert Rotlichter, quert Sicherheitslinien, kümmert sich um sein Ding, quetscht einen Pickel am Nasenflügel aus, raucht zwischendurch eine Zigarette. Wir schwitzen Blut und Wasser. Pure Angst.
Der Bus hält. Wir wagen wieder zu Atmen. Der Chauffeur klappt sein Telefonino zu. Wir sind in Siracusa.

PRESENT. Endlich wieder daheim. Schiff gut, wir zwäg, alles paletti. Auf zu neuen Abenteuern.

Fazit: 1000 Meilen Zug, Taxi und Fähre braucht ca. 4 Adrenalinpunkte. 30 Kilometer Bus von Catania nach Siracusa ca. 9 Adrenalinpunkte. 350 Meilen Segeln brauchen ca. 2 Adrenalinpunkte.