Der alte Mann und das Meer
In seinem verrosteten, alten Fiat fährt er in den Hafen und parkiert direkt am Kai. Er lässt den Motor laufen und steigt langsam aus. Das Alter beutelt ihn körperlich, aber sein Stolz ist intakt. Er zündet sich eine Zigarette an und lüpft sein Käppi. Die frühe Morgensonne beleuchtet schon warm sein zerfurchtes Gesicht.
Am Steg liegt ein kleines Fischerboot. Es hat die besten Jahre längst hinter sich. Das Holz ist morsch und die Farbe blättert ab. Vertäut ist der Kahn längsseits. Regen und Meerwasser schwappen über den Holzboden. Die Farben des Regenbogens zeigen sich darin. Altöl und Dieselresten tanzen im Salz- und Regenwasser.
Mit erstaunlicher Eleganz zieht der Alte sein Boot noch näher an den Steg und mit einem grossen Schritt steht er auf der Bugspitze. Die Zigarette ist fertig geraucht und fliegt glimmend ins Meer.
Er hat ein Kabel an seinem Zigarettenanzünder im Auto festgemacht, welches eine nagelneue Elektropumpe bedient. Damit pumpt er nun sein Boot leer. Im Hafen breitet sich grossflächig das Altöl und der Diesel aus. Regenbogenfarbig.
Nun sammelt er in langsamen und bedächtigen Bewegungen noch einen alter Kanister und einige verschlissene Teile eines engmaschigen Kunststoff- Fischernetztes ein und wirft sie mit einem kraftvollen Schwung ins Wasser.
Er sieht, dass wir ihm zusehen und begrüsst uns freundlich mit kali mera, oder buon giorno oder gün aiden (guten Morgen auf Griechisch, Italienisch,Türkisch)….. und wir grüssen ihn freundlich zurück. Den alten Mann.
Reflektion: Wir stellen fest, dass wir anders aber nicht unbedingt besser sind. Lernprozesse?
Sonntag, 5. August 2007
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