Suakin im Sudan.
Sudan ist flächenmässig das grösste Land des Afrikanischen Kontinentes. Es gehört zu den ärmsten der Welt. Das Jahreseinkommen beträgt im Durchschnitt 200 Dollar. Die Bevölkerungsdichte ist gering. Gerade mal 11 Einwohner pro Quadratkilometer.
Die Hauptstadt Karthum liegt weit weg von der Kueste und weit weg ist auch die internationale Politik. Sudan ist in den Schlagzeilen wegen der Darfour Katastrophe und einem unsäglichen Genozid. Hier in Suakin funktionierte der Sklavenmarkt bis 1947 und brachte der Stadt Reichtum und Schönheit. Heute ist der Ort ein „gottverlassenens Nest“. Bitterarm und von morbider Faszination.
Komisch, aber wir fuehlen uns hier irgendwie willkommener und sicherer als in Ägypten.
Der erste Kontakt mit den Menschen hier bescherte uns einen veritablen Kulturschock.
Nachdem wir uns mit dem Schiff vorsichtig durch die Riffe hindurch getastet hatten, warfen wir den Anker vor Mohammed Quol. Durch den Feldstecher hatten wir schon beobachtet, dass die Kueste hier besiedelt ist. Auf einem halb verrotteten Kai standen Männer und Buben in weissen Kaftanen und winkten uns aufgeregt zu.
Mit einem fröhlichen Saamam Aleikum sagten wir „Gruezi“ und darauf erhielten wir ein vielstimmiges Aleikum Saalam. Das Tor zum Dorf war offen. Aus Treibgut gezimmerte Häuser mit Zäunen aus vertrockneten Dornenbüschen, isoliert mit altem Pappkarton hingestellt in die Wüste. In den Vorgärten springen Ziegen herum, einige Dromedare hocken an Pfählen angebunden, etliche Katzen und wenige ausgemergelte Hunde lungern herum. Rundherum ist Afrikas Steppe. Nichts ist angepflanzt. Die Erde ist rot und schwer, aber unfruchtbar.
Wir bemerken, dass die Häuser nummeriert sind. Eine junge Frau winkte. Ich ging hin um zu grüssen und sah, dass sie schwanger ist. Auf ihren Bauch deutend rief ich „Mashallah“ was so viel wie „wie schön“ heisst. Darauf hin kamen zwei weitere schwangere Frauen. Zu dritt präsentierten sie stolz ihre Bäuche. Alle waren in simple, farbige Saris gehüllt. Wir tauschten Höflichkeiten aus, in Form von Lächeln. Bist Du verheiratet, lautet die Frage, nachdem man sich nach dem Namen und dem Woher erkundigt hat. Ja, seit 20 Jahren. Und warum hast Du kein Henna auf deinen Füssen und Händen? Ich erklärte, dass wir Henna in unserem Land nicht kennen. Das war ein Grund zur Aufregung. Kopfschütteln und Zunge schnalzen, erntete ich. Du kommst aus einem barbarischen Land, fanden die drei Frauen.
Kinderlachen wies uns den weitern Weg durchs Dorf. Wir fanden das Schulhaus und es war gerade Pause. Die Kinder umzingelten uns jubilierend. Abwechslung. Wath is your name? Where do you come from. Die Kinder posierten stolz vor unserer kleinen Kamera. Die Lehrer namens gelassen. Die Crew der Holländischen Segeljacht ALONDRA war auch auf dem Schulhof. Auf ihr fährt als Deckshand eine junge Südafrikanische Musikerin. Spontan begann sie an zu singen und die Kinder fielen sofort und mit grosser Begeisterung mit ein. Es wurde ausgelassen getanzt, geklatscht und gesungen. Nadia versprach am Nachmittag mit der Gitarre vorbeizukommen.
Nadias Konzert in der kleinen Schule von Mohammed Quol wird niemand vergessen, der dabei war. Die Kinder flippten aus, wie die Beatles Fans in den späten 60er Jahren. Alle waren in den besten Kleidern. Auch die wenigen Männer im Dorf gesellten sich zum fröhlichen Reigen. Nur der Dorfpolizist war muffig. No Fotos, befahl er. Schade.
Ich schlich mich aus dem Konzert davon und erhielt eine weitere spontane Einladung von Frauen, mich zu ihnen hinzusetzen. Ich fragte sie, warum sie nicht auch Nadias Konzert sehen wollen? Weil wir Araberinnen sind, lautete die Antwort. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Wir Araberinnen dürfen hören, aber wir dürfen nicht sehen.
Lange hab ich darüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen; wem das Sehen verboten ist, sieht meist scharf.
Sudan ist flächenmässig das grösste Land des Afrikanischen Kontinentes. Es gehört zu den ärmsten der Welt. Das Jahreseinkommen beträgt im Durchschnitt 200 Dollar. Die Bevölkerungsdichte ist gering. Gerade mal 11 Einwohner pro Quadratkilometer.
Die Hauptstadt Karthum liegt weit weg von der Kueste und weit weg ist auch die internationale Politik. Sudan ist in den Schlagzeilen wegen der Darfour Katastrophe und einem unsäglichen Genozid. Hier in Suakin funktionierte der Sklavenmarkt bis 1947 und brachte der Stadt Reichtum und Schönheit. Heute ist der Ort ein „gottverlassenens Nest“. Bitterarm und von morbider Faszination.
Komisch, aber wir fuehlen uns hier irgendwie willkommener und sicherer als in Ägypten.
Der erste Kontakt mit den Menschen hier bescherte uns einen veritablen Kulturschock.
Nachdem wir uns mit dem Schiff vorsichtig durch die Riffe hindurch getastet hatten, warfen wir den Anker vor Mohammed Quol. Durch den Feldstecher hatten wir schon beobachtet, dass die Kueste hier besiedelt ist. Auf einem halb verrotteten Kai standen Männer und Buben in weissen Kaftanen und winkten uns aufgeregt zu.
Mit einem fröhlichen Saamam Aleikum sagten wir „Gruezi“ und darauf erhielten wir ein vielstimmiges Aleikum Saalam. Das Tor zum Dorf war offen. Aus Treibgut gezimmerte Häuser mit Zäunen aus vertrockneten Dornenbüschen, isoliert mit altem Pappkarton hingestellt in die Wüste. In den Vorgärten springen Ziegen herum, einige Dromedare hocken an Pfählen angebunden, etliche Katzen und wenige ausgemergelte Hunde lungern herum. Rundherum ist Afrikas Steppe. Nichts ist angepflanzt. Die Erde ist rot und schwer, aber unfruchtbar.
Wir bemerken, dass die Häuser nummeriert sind. Eine junge Frau winkte. Ich ging hin um zu grüssen und sah, dass sie schwanger ist. Auf ihren Bauch deutend rief ich „Mashallah“ was so viel wie „wie schön“ heisst. Darauf hin kamen zwei weitere schwangere Frauen. Zu dritt präsentierten sie stolz ihre Bäuche. Alle waren in simple, farbige Saris gehüllt. Wir tauschten Höflichkeiten aus, in Form von Lächeln. Bist Du verheiratet, lautet die Frage, nachdem man sich nach dem Namen und dem Woher erkundigt hat. Ja, seit 20 Jahren. Und warum hast Du kein Henna auf deinen Füssen und Händen? Ich erklärte, dass wir Henna in unserem Land nicht kennen. Das war ein Grund zur Aufregung. Kopfschütteln und Zunge schnalzen, erntete ich. Du kommst aus einem barbarischen Land, fanden die drei Frauen.
Kinderlachen wies uns den weitern Weg durchs Dorf. Wir fanden das Schulhaus und es war gerade Pause. Die Kinder umzingelten uns jubilierend. Abwechslung. Wath is your name? Where do you come from. Die Kinder posierten stolz vor unserer kleinen Kamera. Die Lehrer namens gelassen. Die Crew der Holländischen Segeljacht ALONDRA war auch auf dem Schulhof. Auf ihr fährt als Deckshand eine junge Südafrikanische Musikerin. Spontan begann sie an zu singen und die Kinder fielen sofort und mit grosser Begeisterung mit ein. Es wurde ausgelassen getanzt, geklatscht und gesungen. Nadia versprach am Nachmittag mit der Gitarre vorbeizukommen.
Nadias Konzert in der kleinen Schule von Mohammed Quol wird niemand vergessen, der dabei war. Die Kinder flippten aus, wie die Beatles Fans in den späten 60er Jahren. Alle waren in den besten Kleidern. Auch die wenigen Männer im Dorf gesellten sich zum fröhlichen Reigen. Nur der Dorfpolizist war muffig. No Fotos, befahl er. Schade.
Ich schlich mich aus dem Konzert davon und erhielt eine weitere spontane Einladung von Frauen, mich zu ihnen hinzusetzen. Ich fragte sie, warum sie nicht auch Nadias Konzert sehen wollen? Weil wir Araberinnen sind, lautete die Antwort. Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Wir Araberinnen dürfen hören, aber wir dürfen nicht sehen.
Lange hab ich darüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen; wem das Sehen verboten ist, sieht meist scharf.

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