Freitag, 14. März 2008

Murphy an Bord



Herrliches Segeln mit Murphy an Bord

Am 2. Januar 2008 am Zollsteg in Port Ghalib, Ägypten wurden wir von freundlichen Beamten mit dem Ausreise Stempel in den Pässen verabschiedet. Gute zwei Monate hatten wir in diesem vielschichtigen Land verbracht.
Am Morgen des nächsten Tages liefen wir in der frühen Morgendämmerung aus. Die geplante Etappe sollte uns direkt in den Sudan bringen. Das Schiff auf Hochglanz poliert und alle Tanks voll, frisches Brot und reichlich Gemüse und Früchte an Bord. Käpten und Crew bester Laune.

Schon bald segelten wir munter unter dem Parasailor (moderner Spinaker) fast so schnell, wie der Wind.
Segeln ist halt doch schöner als Fliegen, fanden wir.
Wir hatten Zeit zu faulenzen. Steht das Segel, dann gibt es ausser Gucken nicht mehr viel zu tun. Der Käpten wird dann rührig und tut Dinge, wie in Bilgen schauen, die seit immer trocken waren. Heute waren sie NICHT trocken…

10 Liter Wasser (Salziges) plätscherte. Die Leckage war schnell gefunden. Die Dichtung des Propeller Schaftes tropfte. Jegliche Theorien, dass sich da vielleicht ein schnell wachsender, kleiner Muschel-Terrorist oder ähnlich, welcher von selber flüchten würde, ein verirrtes Sandkorn oder das Wunder der Selbstheilung erwiesen sich als Wunschdenken.

Und PRESENT segelte schnell und bequem. Mit dem Wasser schöpfen wechselt wir uns ab. Alle Stunden circa 3 Liter. Nicht lebensgefährlich, aber unangenehm. Der Sonnenuntergang war sensationell schön. Spinacker runter und Genua raus. Und weiter ging die flotte Fahrt.

Wir schalteten die Positionslichter ein und obwohl der Schalter an war, war da kein Licht. Mittlerweilen hatte er Wind auf über 20 Knoten aufgefrischt und die Wellen kamen auch immer etwas höher. Der Käpten krabbelte in die Bugspitze (Schwimmweste und gut angebunden) und sah, dass die Birnen in Takt sind. Also ein Problem mit den Kontakten. Nicht ganz einfach bei Nacht.

Via Funk informierten wir, dass wir keine Lichter haben und sofort meldete sich die Holländische Yacht „Alondra of London“. Alondra änderte den Kurs und schloss schnell zu uns auf. Sie fuhr dicht vor uns und leuchtet für uns. PRESENT segelte mit gereffter Genua durch die Nacht.
Da eh immer einer von uns auf Wache ist, war das stündliche Wasserschöpfen an sich kein Problem. Die Schweinerei mit dem Salzwasser im Schiff hingegen schon. Der Schweizerische Puritaner ist da nicht gerade hilfreich. Fünf Minuten schöpfen und dann zehn Minuten putzen. Unsere kostbaren Wasservorräte wurden sinnlos verputzt.

Der Sonnenaufgang präsentierte sich in Pastell. Alpenglühen im Meer,- dem roten Meer.

Der Wind blies noch immer stetig direkt von hinten in die Segel und wiederum setzten wir den Parasailor. PRESENT machte unglaublich schnelle Fahrt. Wir schöpften Wasser.

Wir waren nun schon mehr als 24 Stunden unterwegs und die Servicebatterie meldete Durst nach einigen frischen Ampers. No Problem. Der Generator bringt die notwendige Energie. Nicht an diesem schönen Morgen. Der Generator lief wohl, aber er fütterte die Batterie nicht. Immer noch kein Problem, dafür haben wir ja noch den grossen Schiffsmotor. Der lief brav an, aber auch er liess die Batterie kalt. Dazwischen schöpften wir Salzwasser aus der Bilge.

Da die Navigation auf dem Schiff hauptsächlich über den PC gemacht wird, welcher wiederum an von der Servicebatterie gespiesen wird, mussten wir neben dem Wasserschöpfen und Segeln auch noch die gute alte Handnavigation vorbereiten. Eine Überseglerkarte, die Wegpunkte aus dem Pilot-Buch, der Peilkompass wurden subito entstaubt.

Durch das Fummeln am Propellerschaft hatte sich ein Verbindungskabel zum Alternator gelöst Die Batterie erholte sich schnell (und wir auch). Die Kontakte zu den Positionslichtern waren auch bald sauber gemacht.

Um 10 Uhr liessen wir uns nieder zu einem guten Frühstück. Delfine schwammen rund um uns rum. Segeln ist halt wunderschön. Und dann ging wieder einer Wasser schöpfen.

Nach 55 Stunden passierten wir die Grenze zu Sudan und kurze Zeit später liessen wir den Anker fallen in der wild romantischen Bucht „Kor el Marob“.
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