Mittwoch, 12. März 2008

das rote Meer



Das Rote Meer, Zusammenfassung einer spannenden Reise

Cirka 80% aller Segeljachten passieren das Rote Meer von Süden nach Norden. Für sie ist der „Bab el Mandeb“ (Arabisch für das Tor der Tränen) der Eingang in eine enge, lange, mühsame und nicht ungefährliche Strecke bis nach Port Suez.

Für uns ist das Tor der Tränen der Ausgang. Wir sind durch. 1400 Meilen weit sind wir gereist, mehr als 70% unter Segeln. Dreieinhalb Monate haben wir uns Zeit gelassen und das war gut so.

Gnadenlos, sagt der Käpten und wenn ich in den Kühlschrank schaue, dass muss ich ihm zustimmen.

Der Käpten spricht von den langen Starkwindperioden, von der steilen, kurzen See, von den Korallenriffen, der Gegenströmung und den ungenauen Seekarten.
Für mich ist der Anblick des abgetauten, leeren Kühlschranks gnadenlos. Eine Orange, ein Rest eines Kohlkopfes und reichlich Zwiebeln und Knoblauch repräsentieren die Frischprodukte. Gnadenlos.

Schauen wir zurück dann haben sich starke Bilder in unseren Köpfen festgesetzt.
Die aussergewöhnlichen Ankerplätze (Marsas) welche man erreichen kann durch schmale, enge Passagen durch Korallenriffe. Rundherum Wüste. Keine Wellen mögen rein, aber der Wind pfeift ungebremst. Delfine, Rochen und jede Menge farbige Fische tummeln sich ums Boot.
Das Meer ist sehr fruchtbar. Der Schiffsrumpf ist voll bewachsen mit Algen, Muscheln und Seegras. Putzen ist im warmen, klaren Wasser nicht übel, aber es nützt wenig.

Die umwerfenden Sehenswürdigkeiten Ägyptens. Das mühsame Spiesrutenlaufen auf den Märkten in den touristisch erschlossenen Orten wie Hurghada. Klebrige Teppichhändler und Bakschisch heischende „Offizielle“.
Das sind Erinnerungen an den Norden des Roten Meeres.

Im mittleren Teil sind es die wilden und einsamen Küstengebiete. Der stetige und steife Nordwind. Viele Meilen segeln wir, ohne je ein anderes Schiff vor die Augen zu bekommen. In diesen kargen Gebieten hat es nicht einmal Fischer.

Sudan mit seinen sanften, liebenswürdigen Menschen. Hochgewachsen und gertenschlank. Die Gesichtzüge fein geschnitten und darin die lebhaften, grossen braunen Augen. Die in Trümmer liegenden aus Korallen gebaute Stadt Suakin. Die Ruinen zeugen von grossem verflossenem Reichtum. Pollution ist kein Thema, das Land ist zu spärlich bevölkert und mausarm.

Das gemächliche Reisen in Richtung Süden, erlaubt es den Wandel der Vegetation zu beobachten. Vom Nichts hin zum spärlichen Grün hin zu den üppigen Mangrovenwäldern im Süden Eritreas. Der Regen in der Konvergenzzone. Bis dahin Wind aus Nord und von das aus Wind aus Süd. Es wird immer wärmer und ab 14 Grad nördlicher Breite ist in der Nacht das gewaltige Sternbild „Kreuz des Südens“ zu sehen.

Das Bab el Mandeb passieren wir in der ersten Flaute seit Monaten unter Motor. Die steilen, schwarzen Hänge der vulkanischen Küste Jemens tauchen auf. Und plötzlich beginnt das bis anhin spiegelglatte Meer an zu schäumen.

Das Schiff vibriert kurz und dann haben wir die Schwelle zum Golf von Aden passiert. Das Meer liegt wieder ruhig und glatt.

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